scharf," sagte Jda noch kalter, „und ich kann dagegen nichts einwenden; aber meine Zeit ist doch zu sehr hingenommen durch meine verschiedenen Pflichten, und nie würde ich es mir verzeihen, in den kostbaren Schatz der Ihrigen einzugreifen."
Ein zorniges Roth überzog AgathenS Wangen. „Ich kann Sie freilich nicht zwingen," sagte sie gereizt, „Ihre hübsche Stimme auszubilden, wenn es Ihnen kein Vergnügen macht, wenn Sie es nicht wollen, und so muß ich mich damit trösten, daß ich es gut mit Ihnen gemeint habe, Fräulein Mellow!" Schnell wandte sie sich und ging.
„Gut gemeint," hauchte Jda hervor, und brach in neue Thränen aus. „Das alberne Ding," rief Agathe, als sie in ihrem Zimmer angekommen war, und eilte mit hoch heraufgezogen Augenbrauen darin auf und nieder. „Was will sie denn? Ist das Hochmuth, Trägheit oder Neid, oder ein Mixtum compositum aus allen drei Ingredienzien? — Und welch einen scharfen kalten Ton die Kleine hatte! Sie, die sonst immer girrt wie eine Taube! Wahrhaftig, unter diesem stillen Wasser stecken gräßliche Untiefen! - Ach, was kehre ich mich an diese peilte chose! Je ne m’en soucie gueres, je m’en moque!“ Mit diesen Worten Ivarf sich Agathe aus Piano, und spielte einen Marsch — nicht nur wie vorgeschrieben war con fuoco, sondern furioso; ihren Aerger aber konnte sie nicht Wegspielen.
Von dieser Zeit an trat eine auffallende Kälte, ein Vermeiden, ein abgewandtes Wesen in dem Verkehr Jdas und Agathens hervor, das auf Alle einwirkte, und von Conring allein mit Bewußtsein als ein schneidender, Unheil verkündender Mißto» empfunden wurde. Jedoch wandte er sich leicht der Hoffnung zu und dachte: „Ei, sie werden sich einmal veruneinigt haben. Junge Mädchen sind darin noch wie die Kinder! Da ist gleich Herzensfreundschaft, man vertraut sich alle kleinen Geheimnisse an, dann kommt einmal eine Laune dazwischen, man zankt
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