braune Wald an, seiner Macht sich zu beugen. Eine selige Gewißheit, daö neue Leben habe gesiegt, durchdrang alle Geschöpfe, ei» frisches Hoffen ging in allen Herzen auf.
„Laß uns," sagte Conring eines Morgens zu seiner Frau, „diesen herrlichen Tag gleich benutzen und unser» Plan ausführen! Die sich für Meister in der Heilkunst ausgaben, haben Dich lange umsonst berathen und mit vergeblichen Mitteln gequält; laß uns zu dem wahren Meister gehen, dessen scharfer Blick, dessen geniales Finden sogleich Deinen Feind entdecken, dessen tiefe Kenntniß ihm auch die Waffen dagegen augenblicklich anweisen ivird. Er ist mit Hülfe deS Dampfschiffs in wenig Stunden zu erreichen, wir können die ganze Unternehmung in einem Nachmittage vollenden. D» kannst Dich in die Cajüte zurückziehen, sobald Du willst, und Dich dort bequem einrichten."
Marianne machte Einwendungen gegen so kühne Pläne, doch sie ergab sich endlich mit der Miene eines Opferlammes, daS geduldig sich zum Altar führen läßt. „Aber eine Bedingung mache ich," fügte sie matt hinzu, „und ich kann davon nicht abgehen! Meine Kinder muß ich mitnehmen, und sie dem großen Arzte vorstellen."
„DaS wünschte ich selbst," versicherte Conring; „aber ihre beiden Führerinnen dürfe» nicht dabei sein; denn Frieden müssen wir haben."
„Aber Eine doch, um die Aufsicht zu führen! Oder verlangst Du das auch von mir?" fragte Marianne gereizt.
„Bewahre!" rief er betheuernd, „der Aufseher will ich sei»! Denn nehmen wir die Eine mit, so möchte daS bei der Andern böses Blut
209
setzen. Ich will daS schon machen," setzte er rasch hinzu, „ich entschuldige mich bei Beiden, so daß sie hören, keine sei bevorzugt oder vernachlässigt."
„Wenn sie nun aber indeß aneinander kämen, Wilhelm," sagte Marianne bedenklich, und ihr Gesicht zuckte.
Aurora. 14

