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wie ein Schmerz, wie ein tiefes, ungestilltes Verlangen durch ihre Brust; plötzlich fühlte sie ihr Gesicht überschwemmt von Thränen. Sie konnte nicht widerstehen, sie mußte sich ausweinen, sie mußte die Noth, die Bangigkeit ihrer Seele in Schluchzen hinströmen; doch diese Unklarheit ertrug sie nicht lange. „Wozu und warum daS?" rief sie, sich unwillig die Augen trocknend, „bin ich den» ein sentimentales Mädchen von sechszehu Jahren, daS in süßen Thränen schwimmt, weil die Veilchen am Bache wieder blühen?"
Sie sprang auf, lehnte sich an eine der Fichten, und blickte umher ob sie nicht die Quelle, das Ziel ihrer Anstrengungen, geivahre» könne. Zuerst sah sie nichts; aber daS leise Sprudeln dauerte fort und überzeugte sie von der Nähe der Ersehnten. Sie kniete nieder, umschlang den Stamm einer überhängenden Birke, und neigte sich mit glühendem Gesichte über daS Felsendach — siehe, da entdeckte sie tief unter sich aus dem Gestein ein schwaches Wasserfädche» munter hervorspringen, das, leise über die abhängige Wand hinabgleitend, sich bald fast unsichtbar in Erdreich, Heide und Moos verlor.
„Ach," rief die Wandrerin hocherfreut, „so habe ich eS doch errungen ! Den Quell habe ich gefunden, nun will ich auch in sein Heilig- thum treten und auS ihm schöpfen!" Auf unwegsamen Pfaden kam sie endlich in der Felshöhle an, schöpfte mit ihrer glühenden Hand, und holte sich eine» Labetrunk für ihren Durst. Aber bald strebte sie ungeduldig weiter. „Nun ich glücklich den Anfang des Knäuels habe," rief sie, „soll mir auch keine seiner labyrinthischen Schlangenwindungen entgehen! Ich muß durchaus für meine Mühe belohnt werden. Noch habe ich nichts von den Schönheiten, die der Bach schaffen soll, gesehen, und ein Einblick in daS Thal ist hier gar nicht zu gewinnen!" Unverdrossen fing sie nun a», dem Laufe des Wasserfädchens zu folgen, der sich anfangs längere Zeit in unerquicklicher Weise und schwacher

