„Denke ich mir," fing Jda wieder schüchtern an, „zwei empfindende weibliche Wesen, in schwesterlicher Liebe verbunden, in diesem Eden wandelnd." —-
„O still, still," rief Agathe schmerzlich, „zeigen Sie mir nicht ein Paradies, a»S dem ich durch die schonungslose Macht der Wahrheit verstoßen wurde!"
„Sollte es wirklich umnöglich sein," flüsterte Jda unhörbar, „daß wir Freundinnen würden? Wir sind so gestellt, so auf einander angewiesen, daß mirs scheint, wir müßten uns lieben!"
„Aber es ist unmöglich!" rief Agathe. „Alles tritt hemmend, ja zerstörend zwischen uns, Naturell, Anlagen, Erziehung, Schicksale, Lebenserfahrungen, Alles ist nicht nur grundverschieden, es sind unvereinbare Gegensätze darin."
„Ja, wir sind sehr verschieden; Sie stehen weit über mir in allen Gaben, Sie haben alle Vortheile der Weltbildung und eines bewegten Lebens."
„Eines Vagabundenlebens vielleicht," warf Agathe bitter hin.
Jda sah sie befremdet an, ließ jedoch diese Anspielung fallen, und fuhr unbeirrt fort: „Aber dennoch, obwohl ich klein und wenig bin, könnte ich eine Gehülfin sein, die keine Verachtung verdient." —- Agathe schwieg. „DaS Verschiedenartigste ergänzt sich, fuhr Jda fort, ja daS Entgegengesetzte vereint sich, wenn es gilt, einen großen, heiligen Zweck zu erreichen, wenn ein eifriges Strebe» darnach die ganze Seele erfüllt ..."
„Ein solches Ziel lag vor uns," sprach Agathe ernst, „wir wurden berufen, Beide den Nothständen des Hauses abzuhelfen, die Kinder zu lehren und zu erziehen, die Mutter zu unterstützen ..
„Frieden, Heil und Harmonie zu bringen ... aber es ist tausendfach schlimmer geworden seitdem ..."
217

