258
hell und lebhaft geworden, ein Feuer flackerte im Ofen, zwei Dienerinnen machten sich um die Kranke zu schaffen, die beide» Zöglinge derselben standen fröstelnd und verlegen an ihrem Bette, und Eugenie endete so eben ihre Rede: „Blama läßt Ihnen glückliche Ueberkunft und gute Besserung wünschen" — als Fräulein von Wingold eintrat. Erschrocken sahen die beide» Kinder die mächtige Frau an, welche einen solche» Umschwung im Hause hervorgerufen hatte; sie wurden versucht davonzulaufen, doch die Neugier waö sich noch Alles, und wie das Wunderbare sich begeben werde, siegte über alle Scheu, sie blieben bis ans Ende-
Freudig eilte die Matrone auf ihren Schützling zu, nahm einen Mantel von dem Arm ihrer Dienerin, und hüllte Antonie, die wie ein kleines Kind sich hingab, von Kopf bis zu Fuß hinein. Eugenie raffte sich eben auf, einige Bettstücke anzubieten; doch das Wort erstarb ihr auf der Lippe, als sie die Sänfte ganz damit ausgepolstert fand.
„Ruhig, Kind, das ist Alles besorgt," sagte Regine. „Lebt wohl, Ihr beiden Kleinen, und seid Eurer künftigen Lehrerin dankbarer, als Ihr es dieser gewesen seid!"
Antonie streckte den Kindern ihre Hände hin, Eugenie war beschämt, Sally weinte.
Der Zug ging fort, und Regine kam bald mit ihrer Beute, die sie langsam und leise tragen ließ, ln ihrem Hause an. O, wie ward der Leidenden zu Blüthe, alö sich ihr das Krankenziinmerchen öffnete, welches ihre wunderbare Freundin ihr bestimmt und eingerichtet hatte. Es war so ganz anders als das vorige. Ein kleines, trauliches Biereck, zwei dicht verhüllte Fenster, vor denen duftige, weiße Vorhänge schwebten, ein blüthenweißeS Himmelbett in einer Ecke, mit einem dunkeln, sammet- artigen Teppichstreif zu Füßen, ein bedecktes Tischchen davor, mit einer silbernen Klingel und einer Schirmlampe darauf. Das milde Licht der«

