leiteter und Unterstützter btühete in der Stadt aus, doch in Borch war der Schauplatz noch mehr verändert. War ein Reisender durch die einsamen, ties beschatteten Waldpfade des Berges gedrungen, so trat ihm ein Bild des reichsten Lebens entgegen. Freundliche Häuser und Gehöfte umringten in einem weiten Kreise das Schloß, oder zogen sich die gegenüberliegenden Höhen hinauf bis an das Dorf hin, dessen spitzer Thurm zwischen den Bäumen hervorleuchtend, zumeist dessen Dasein verkündete. Neue Mühlen und hohe, stattliche Häuser, in denen man Fabrikgebäude ahnete, thaten unabweislich kund, daß der Geist deS neunzehnten Jahrhunderts siegreich in dies stille Thal gedrungen sei, daß die romantische Einsamkeit vertrieben, aber thätige, glückliche Menschen eingedrungen seien.
Erhard hat seine erste, kleine Pfarrstelle in dem freundlichen Hause neben jenem spitzen Thurme kürzlich angetreten, und Angelika, die junge Pfarrerin, hat ihm zu Liebe dem Beifalle und den Huldigungen, welche die Welt ihr reichlich zollte, entsagt; aber nicht ihrer Kunst, die mit dem Berufe ihres Gatten innig Hand in Hand geht. Wilibald arbeitet als Vorsteher einer Fabrik, der wackere Schollmann ist ein berühmter Garten- meister geworden, durch Erfahrung, Entdeckungen und mancherlei Schriften, worin er jene kund gethan. Bis jetzt hat er alle Anträge, die man ihni gemacht, in fürstliche, ja königliche Dienste zu gehen, abgewiesen, und seine Antonie bestärkt ihn darin, sie hat für sich und ihre beiden Kinder Angst vor dergleichen Fessel», sie pflegt die Blumen und ihre Kleinen gern in völlig ländlicher Freiheit.
Adelheid hat den Namen, unter welchem sie unerkannt in ihres Vaters Haus und Herz eintrat, nicht verändert, auch ihr innerstes Wesen nicht; aber sie ist völlig entfaltet in seltener, edeler Schönheit deS Leibes und Geistes. Ihre Haltung zeigt ein ruhiges Gleichgewicht, siegende Klarheit leuchtet von ihrer hohen Stirn; aber ihren Augen sieht man es an, daß sie bittre Thränen gekannt, und ein weiches, hingebendes Lächeln Aurora. 21

