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Tulpe und Veilchen auf einer Neise.
Aus „Blumen."
Einst fiel der Tulpe ein, eine Reise zu machen; sie fühlte sich nicht mehr wohl in ihrem einsamen Gärtlein und dachte bei sich: „es müßte doch recht schön sein, wenn du einmal die Welt durchwandern und dich in deiner vollen Pracht zeigen könntest."
Kaum war sie auf diesen Gedanken gekommen, so machte sie Anstalten zur Reise; sie suchte ihr schönstes Kleid hervor und wollte die Wanderung antreten.
Da fiel ihr aber ein, daß sie doch nicht ganz allein in die weite Welt hinausgehen, sondern lieber jemanden mitnehmen sollte, der ihr Gesellschaft leistete; allein sie konnte nirgends einen passenden Gefährten finden.
Endlich dachte sie: „wie wäre es, wenn das kleine, niedrige Veilchen mitgienge! da könnte ich doch allein mit meiner Schönheit prangen; denn um das unbekannte Ding, das im Thale unter Dornen und hinter den Zäunen wächst, wer wird sich um das kümmern?"
Dieser Gedanke gefiel ihr so gut, daß sie um keinen Preis eine andre Blume mitnehmen mochte. Flugs machte sie sich auf und eilte zu dem Veilchen, ihm den entworfenen Plan mitzutheilen und es zur Mitreise zu bewegen.
„Ach, was soll ich draußen in dem Getümmel," sagte das Veilchen, „ich bleibe lieber zu Hause in meiner Verborgenheit, ich bin daheim zufrieden."
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