die Rüben, die durch den Einfluß des Winters in ihrem Wachsthum nicht waren gehindert worden, gediehen zur Reife. Die schlaue Emma zog täglich einige davon aus, und machte damit Versuche, ihnen allerlei beliebige Gestalten zu geben, dem Anschein nach sich damit zu belustigen; aber ihre Absicht gieng weiter. Sie ließ eines Tags eine kleine Rübe zur Biene werden, um sie abzuschi- ken, Kundschaft von ihrem Geliebten einzuziehen. „Flieh, liebes Bienchen, gegen Aufgang," sprach sie, „zu Ratibor, dem Fürsten des Landes, und snmine ihm ins Ohr, daß Emma noch für ihn lebt, aber eine Sklavin ist des Fürsten der Gnomen, der das Gebirge bewohnt. Verlier kein Wort von diesem Gruße und bring mir Botschaft von ihm." Die Biene flog alsbald von dem Finger ihrer Gebieterin, wohin sie beordert war; aber kaum hatte sie ihren Flug begonnen, so stach eine gierige Schwalbe anf sie herab, und verschlang zum großen Leidwesen des Fräuleins die Botschafterin. Darauf formte sie eine Grille, lehrte sie gleichen Spruch und Gruß: „Hüpfe, kleine Grille, über das Gebirge zu Ratibor, dem Fürsten des Landes, und zirpe ihm ins Ohr, die getreue Emma begehre Entledigung ihrer Bande durch seinen starken Arm." Die Grille flog und hüpfte so schnell sie konnte auszurichten, was ihr befohlen war; aber ein langbeiniger Storch lustwandelte eben an dem Wege, auf dem die Zirpe zog, erfaßte sie mit seinem langen Schnabel und begrub sie in das Verließ seines weiten Kropfes.
Diese mißlungenen Versuche schreckten die entschlossene Emma nicht ab einen neuen Versuch zu wagen; sie gab der dritten Rübe die Gestalt einer Elster: Schwanke hin, du beredsamer Vogel, von Baum zu Baum, bis du gelangest zu Ratibor; sage ihm an meine Gefangenschaft und gieb ihm Bescheid, daß er meiner harre mit Roß und Mann, den dritten Tag von heute, an der Grenze des Gebirgs im Maienthale, bereit den Flüchtling auf-
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