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den geraubten Seckel geborgen hatte. Der bestürzte Jude wußte nicht, ob er seinen Augen trauen sollte, schlich sich in einen Winkel und gieng mit sich selbst zu Rathe, wie er wieder zu seinem Eigenthum gelangen möchte. Es schien ihm unmöglich, sich in der Person geirrt zu haben; darum drehte er unbemerkt sich zur Thür hinaus, gieng zum Richter und brachte seinen Diebcsgruß au. — Häscher bewaffneten sich mit Spießen und Stangen, umringten das Schankhaus, griffen den unschuldigen Verbrecher und führten ihn vor die Schranken der Rathsstubc, wo sich die weisen Vater indeß versammelt hatten. „Wer bist du?" fragte der ernsthafte Richter, „und von wannen kommst du?" Er antwortete freimüthig und unerschrocken: „Ich bin ein ehrlicher Schneider meines Handwerks, Beuedix genannt, komme von Liebcuau und steh hier in Arbeit bei einem Meister." — „Hast du nicht diesen Juden im Walde mörderisch überfallen, übel geschlagen, gebunden, und seines Scckels beraubt?" — „Ich habe diesen Juden nie gesehn, hab' ihn auch weder geschlagen noch gebunden, noch seines Seckels beraubt. Ich bin ein ehrlicher Zünftler und kein Straßenränder." — „Womit kannst du deine Ehrlichkeit beweisen?" — „Mit meiner Kundschaft und dem Zeugniß meines guten Gewissens." — „Weis' auf deine Kundschaft!" — Beuedix öffnete getrost den Watsack, denn er wußte wol, daß er nichts als sein wohlerworbenes Eigenthnin darin verwahrte. Doch wie er ihn ausleerte, siehe da! da kliugelt's unter dem herausstürzenden Plunder wie Geld. Die Häscher griffen hurtig zu, störten den Kram auseinander und zogen den schweren Seckel hervor, welchen der erfreute Jude alsbald als sein Eigenthum rcclamirte. Der Wicht stand da wie vom Donner gerührt, wollte vor Schrecken umsinken, ward bleich um die Rase, die Lippen bebten, die Kniee wankten, er verstummte und sprach kein Wort. Des Richters Stirn verfinsterte sich, und drohende Gcberde weissagte einen strengen Bescheid. „Wie

