106
„Nieder mit den Juden!" hallte es von allen Seiten
nach.
„Kommt," schrieen die Wildesten, „kommt und laßt uns die Judcnnester stürmen."
„Da haben wir ja gleich Einen," schrie es aus der Menge. „Der soll gestehen!"
Zugleich ließ sich eine ängstlich flehende Stimme hören und die Menge strömte nach der Richtung hin.
Hier hatten einige Wüthende einen armen Juden entdeckt, der sich neugierig unter die Menschenmenge gemischt, und jetzt, als er sah, welch drohender Sturm gegen seinen Stamm im Anzüge war, sich eiligst aus dem Staube machen wollte, aber eben dadurch die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
Bon allen Seiten gepackt, wurde der Jude grimmig geschüttelt und hin und her gerissen.
„Was wollt Ihr von mir?" wimmerte der Erschrockene.
„Gesteh', jüdischer Hund, gesteh', was habt ihr mit den Christen gemacht, die ihr geraubt?" brüllte es ihm wüthend in die Ohren.
„Beim Gott Israel," jammerte der Jude, „laßt mich; ich verstehe Euch nicht!"
„Ha, wir wollen es Dich verstehen lernen, Judenspion!" höhnte der vorige Aufhetzer.
„Ja, ja," heulte das Bolk, „es ist ein Spion, um uns auszuhorchen. Hängt den Hund! Schlagt ihn todt!"
Der Jude schrie kläglich aus, und bat um Erbarmen; doch die mit jeder Minute zahlreicher werdende Volksmasse wurde dadurch nur noch wüthender, zudem es nicht an Aufstachclung fehlte.
„Gesteh', wo ist die Mörderhöhle?" schrie ein Mann.

