AünfLes Kapilet.

Eine Klosterzüchtigung.

Der Morgen war erschienen, die erste Hora war gesungen und die Nonnen hatten sich dann in ihre Zellen zurückgezogen, dort die übrigen Morgenstunden in erbaulichen Betrachtungen und in Vorbe­reitungen zu dem gewöhnlichen Tagesdienste im Kloster zuzubringen.

Es war so wenigstens die Aufgabe der Nonnen, die Ordens­regel schrieb es so vor, ob aber alle Nonnen diese Regel so streng beobachteten und eben das verrichteten, was sie verlangte, war eine andere Frage. Bei vielen der Ordensschwestern mochten die Gedanken sehr weltlicher Art sein, und sie konnten sich diesen Gedanken auch ungestört hingeben, denn, wie man zu sagen Pflegt, sind Gedanken zollfrei und können nicht controlirt werden.

Bei Barbara war es wenigstens so, ihre Gedanken weilten nicht bei Brevier und Rosenkranz, nicht in dem Kloster, welches ihren Leib umschlossen hielt; den Geist konnte es nicht fesseln, dieser schweifte hinaus über die düsteren Mauern, er schwelgte in der Erinnerung an ehemaliges Glück und suchte den auszusinden, mit dem sie einst dieses Glück genossen hatte. Wo weilte er? War er nahe oder war er fern? Sie wußte es nicht.

So verging der Tag, es verging auch noch ein zweiter und ein dritter Tag. Barbara verrichtete mechanisch die ihr vorgeschriebeuen Klosterdienste, aber Herz und Sinn waren nicht dabei, selbst dann nicht, wenn sie sich zwingen wollte, mehr Aufmerksamkeit auf den Klosterdienst zu verwenden, ihr Sinn blieb rebellisch und schweifte über alle Berge hinaus.

Auch all' das Sehnen der Nonne ging hinaus in die Freiheit, und beneiden konnte sie Vögel und Wolken, die ungehindert die gol-

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