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bene Freiheit genießen und nach allen Richtungen ziehen konnten, ohne baß Jemand ihnen Fesseln anzulegen vermochte.
Aber Barbara fühlte auch, daß sie achtsam auf sich sein müsse, da sie überwacht wurde. Sie war zwar jetzt eine Stufe höher gestiegen, seit der Schleier der Himmelsbraut ihr Haupt deckte, aber dessen ungeachtet war sie doch nicht freier als sonst, sie war nach wie vor gleichsam Gefangene, war Untergebene, die sich dem Willen der Vorgesetzten Ordensschwestern fügen sollte und auch fügen mußte, wollte sie nicht den gebräuchlichen Disciplinarstrafen sich aussetzen. Ihr Widerwillen gegen das Verbleiben im Kloster war bekannt, ihr Widerstreben, das Gelübde abzulegen und dadurch sich für immer an das Kloster zu fesseln, hatte für die anderen Nonnen etwas Verdachterregendes gehabt; deshalb ward Barbara mit einem gewissen Argwohn beobachtet, wie sie sich in ihrem neuen Stande anstelle, was sie treibe und thue.
Barbara hingegen, die schon so Mancherlei in dem Treiben der Nonnen bemerkt zu haben glaubte, was mit dem Gelübde auch nicht in Einklang zu bringen war, beobachtete auch ihrerseits und sie hörte da mancherlei Aeußerungen, die wenig dafür sprachen, daß die Himmelsbräute sich nur mit gottseligen Gedanken beschäftigten.
Eines Tages, als die Nonnen sich, dem Glockenrufe folgend, auf dem Chore zusammengefunden hatten und der Gesang eben beginnen sollte, vermißte man eine Nonne.
„Wo ist Schwester Ioftpha?" fragte die Priorin, mit Argusaugen um sich blickend und eins der Häupter ihrer Lieben vermissend.
Niemand wußte auf diese Frage Auskunft zu geben und die Priorin befahl, daß eine Nonne, begleitet von Schwester Barbara, sich nach der Zelle der Fehlenden begeben solle, nach ihr zu sehen und sie herbeizuholen.
Die Abgeschickten begaben sich nach der Zelle Josepha's; als sie dieselbe betraten, sahen sie die Gesuchte auf dem Lager liegen und in tiefem Schlaf versunken.
„Mein Gott," flüsterte Barbara erschrocken, „wenn dieses die Domina sähe."
„Sie sieht es durch meine Augen," entgegnete die andere Nonne kalt und hart.

