Sechstes Kapitel.

Die Bekenntnisse einer Nonne.

Ein Tag war wieder verflossen, so öde und einförmig wie er eben nur in einem Kloster und in einem Gefängnisse verfließen kann. Es drehte sich Alles um das Gewöhnliche: um den Kirchendienst, das Beten und die gewöhnlichen, aber nicht schweren Arbeiten im Innern des Klosters, wo die Küchenarbeit noch die Hauptsache war, trotzdem, daß bei der Frugalität der Kost die Herstellung derselben eben keine Schwierigkeiten und keine Umständlichkeiten erforderte.

Barbara saß einsam in ihrer Zelle und beschäftigte sich, mehr um die Zeit hin zu bringen, denn aus Trieb dazu, mit einer weib­lichen Arbeit, bei welcher sie aber oft ruhte, um sinnend vor sich hin zu schauen, oder durch das kleine Zellenfenster den Flug der Wolken zu verfolgen.

Hätte die strenge Priorin oder die spähende Erescentia gewußt, welche Gedanken die junge Nonne in diesen einsamen Stunden be­schäftigten, so würde die Letztere wohl wieder die Anklägerin gemacht und die Elftere der weltlich denkenden Himmelsbraut irgend eine Disciplinarstrafe zudictirt haben.

Die Gedanken der Himmelsbraut sollten nach den Ordensvor­schriften allein auf ihr Gebet, auf die Heiligen, auf das himmlische Paradies und dessen Freuden gerichtet sein, welche den Frommen dort in Gemeinschaft mit den Engeln Gottes, ihren Heiligen und Erwählten versprochen sind, statt desten aber schweiften sie hinaus in die weite Welt, nach Warschau mit seinen Palästen, nach anderen Städten, hinaus auf die Berge, in die duftigen Wälder, die blühen­den Haine, hinaus auf die grünen mit Blumen geschmückten Wiesen und Auen, an die leuchtenden Seen, in deren Fluthen sich am Tage das Himmelsauge, die Sonne, und Nachts der Mond so anmuthig