Mit diesen Worten ging Pater Simphronius, und Iosepha sah ihn ohne Bedauern scheiden, denn war es doch genügend klar geworden, von diesem Mann hatte sie keine Hilfe zu erwarten, sie glaubte vielmehr schon überzeugt zu sein, daß auch er mit ihren Feinden gegen sie im Bündniß sei, da er sich in seinen Worten bemüht hatte, ihr Mißtrauen gegen Stanislaus einzuflößen.
An Stanislaus aber glaubte Iosepha noch fest trotz allen Worten, welche der Pater gebraucht hatte; dieser Glaube war ja auch ihr letzter Trost, ihre letzte Hoffnung, wie hätte sie denselben auf die Worte eines höchst wahrscheinlich von ihren Feinden bestochenen Priesters hin aufgeben sollen? — Unmöglich, ehe sie glaubte, daß Stanislaus untreu geworden sei und sie im Stiche gelassen, sie anderen Rücksichten geopfert habe, mußte er selbst vor sie treten und es ihr sagen. — Dann erst, wenn er den Muth hatte, ihr eine solche Erklärung in das Gesicht zu sagen, dann erst konnte sie glauben.
Trotz dieses Glaubens kamen ihr doch auch wieder Stunden, wo sie es für möglich hielt, daß an des Paters Worten doch Einiges wahr sein könnte; allein dann rang sie auch wieder mit aller Kraft, um diesen austauchenden Zweifel an des Geliebten Beständigkeit zu besiegen.
Pater Simphronius kam nach einigen Tagen wieder, ohne daß er für seine Worte willigeres Gehör gesunden, als das erste Mal; gleichwohl ermüdete er nicht in den Versuchen, sich in ihr Vertrauen zu schleichen und sie zu überzeugen, daß er wirklich das sei, für was er sich ausgab, der um sie und ihr Wohl besorgte Freund.
Diese Versuche setzte er auch bei seinen späteren Besuchen fort, und wirklich gelang es seinen schlau berechneten glatten Worten, bisweilen einen günstigeren Eindruck bei Iosepha hervorzurusen, so daß sie selbst sagte, sie habe dem Manne vielleicht Unrecht gethan, sie sei zu mißtrauisch gegen ihn gewesen, weil sie überhaupt Allen, die ihr an diesem Orte nahten, mißtraute.
Pater Simphronius war schlau genug, diesen günstigen Eindruck sehr wohl zu bemerken, denn Iosepha war viel zu wenig der Verstellung fähig; er suchte durch geschickte Wendung auf dem gelegten Grunde fortzubauen, ohne daß es ihm jedoch gelang, seinen eigentlichen Zweck zu erreichen, welcher dahin ging, Iosepha zu bewegen, sich ihm unbedingt zu ergeben.

