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Endlich ward es auch Josepha klar, was der Pater mit den Worten bezweckte, welche ihr erst so räthselhaft gewesen; er wollte sie für das Kloster anwerben und malte ihr das Leben einer Nonne mit den reizendsten Farben aus; er zeigte ihr, wie glücklich sie leben könnte, wenn sie hinter den Mauern des Klosters sicher vor allen Stürmen der Welt wohne, und prophezeihte ihr, wenn sie jetzt den Entschluß fasse, so werde sie nicht nur den Augenblick segnen, wo sie zur Erkenntniß gekommen, daß ihr wahres Glück allein in des Klosters stillen Räumen zu finden, sondern sie werde auch Dessen in steter Dankbarkeit gedenken, der ihr den Fingerzeig gegeben, wo sie dieses Glück finden könnte.
Aber Josepha konnte in dem Klosterleben kein Glück für sich erkennen, nur in Stanislaus Armen, in seiner Nähe war es ihr möglich, sich den Himmel auf Erden zu denken. — Pater Simphronius Worte hatten also nicht die gehoffte Wirkung und er strafte die Unfügsame bann mit den Worten:
„Du bist noch zu sehr Weltkind, es müssen noch härtere Prüfungen über Dich kommen."
Endlich erschien die von Josepha gefürchtete bange Stunde, sie ward von einer Tochter entbunden. Eine lange Kränklichkeit war die Folge davon, und der Seelenschmerz, welchen sie empfand, wenn sie an das Schicksal des Kindes dachte, welches so dunkel und unbestimmt vor ihr lag, wie ihr eigenes, verhinderte ihre Genesung lange Zeit. Wie oft benetzte sie da das kleine unschuldige Wesen mit ihren Thränen!
Während ihrer Krankheit ward sie von Milla nach Kräften gepflegt; letztere zeigte ihr Mitleiden mit Josepha's Lage ziemlich offen, aber etwas zu thun, was diese Lage hätte ändern können, dazu war sie nicht zu bewegen, sie sagte dann stets:
„Ja, dann kann ich Dir nicht helfen; man muß auch an sich selbst denken!"
Auch der Pater Simphronius stellte sich häufig ein und versäumte nicht, der Leidenden Büßpredigten, bisweilen auch Trostreden zu halten, welche indessen, die einen wie die anderen, nicht die beabsichtigte Wirkung hatten, weil sich immer die Hinweisungen auf das Kloster ihnen anschlossen.

