Zehntes Kapitel.
Gefängniß und Gelöbniß.
Der Morgen graute, da pochte es stark an die Thüre der Hütte, in welcher Michael mit seinen Eltern wohnte. Michael hörte es zuerst, denn nur kurze Zeit hatte er schlafen können, unruhige Träume hatten ihn gequält und aus dem Schlafe wieder aufgeschreckt, und als er jetzt das Pochen vernahm, da sagte ihm das böse Gewissen sofort, daß es sehr leicht ihm gelten könne; doch sogleich beruhigte er sich wieder, indem er sich sagte, daß es ja gar nicht möglich sei, daß Jemand etwas von seiner That wisse, denn es sei ja ganz einsam im Walde gewesen und Niemand habe ihn gesehen.
Michael, der sich also beruhigt hatte, blieb auf seinem Lager, stellte sich schlafend und wollte das Weitere abwarten, namentlich erlauschen, was das ungewöhnlich zeitige Klopfen zu bedeuten habe.
Es pochte stärker, die Magd des Hauses stand auf und öffnete die Thüre, mit verschlafener Stimme vor sich hinbrummend, fluchend und endlich fragend, was denn dieses zeitige Pochen heißen solle? Man wisse doch, daß es Montag sei und da stehe im Dorfe Niemand so zeitig auf.
„Wir aber sind so zeitig ausgestanden," rief eine rauhe Stimme zurück. „Mach' auf. oder wir schlagen die Thüre ein!"
Michael hörte dann, wie die Thüre geöffnet wurde und wie dann einige Stimmen heftig hin und her sprachen; er glaubte dabei seinen Namen gehört zu haben und es war ihm dabei, als ob ein Donnerschlag ihn treffe.
Wieder trat das Schuldbewußtsein mächtig zu ihm heran und voll Bestürzung sprang er von dem Lager auf und griff nach seinen Kleidern, sie überzuwerfen. Zugleich schaute er sich um, wie er am besten entkommen könne.

