Elftes Kapitel.

In dem Klostergarten.

Es war in den späteren Nachmittagstunden. Barbara Ubryk hatte ihre düstere, freudenlose Klosterzelle verlassen, und da sich für die nächsten Stunden kein Küchendienst nöthig machte, so hatte sie sich hinab in den Garten begeben, um frische Luft zu schöpfen und das Auge an dem frischen Grün der Bäume und an dem Farben­schmelz der Blumen zu erfrischen.

Freilich gab es der Blumen nur wenige im Garten, denn die Nonnen schienen die Zucht der holden Kinder Flora's als weltliche Freuden sehr gering zu achten, und so fanden sich nur wenige Blumen, die sich einiger Pflege erfreuten, die Mehrzahl befand sich im ver­wilderten Zustande.

Barbara aber erfreute sich auch an diesen wenigen Blüthen; waren es doch liebe Erinnerungen an vergangene Zeiten, wo es ihr noch unverwehrt war, durch blumenreiche Fluren zu wandeln und im Garten Blumen zu pflegen, so viel sie nur wollte; sie dachte daran und seufzte. Wie ganz anders war es setzt!

Barbara beschäftigte sich mit den Blumen, sie richtete diese auf, entfernte das störende Unkraut aus der Nähe jener und befand sich wohl bei dieser Beschäftigung, die in das Einerlei ihres Tagewerkes wenigstens einige Abwechselung brachte. Sie dachte auch wie jener Dichter, welcher sang:

Ach, viel lieber will ich pflegen Rosen, süß von Duft erfüllet,

Tauchend ans dem dunkeln Laube,

Welches schützend sie verhüllet;

Lieber dies, als in den Händen Stets die Rosenkränze halten,

Durch die Finger lassen gleiten Diese Äugeln all', die kalten."