Barbara sprach die gleiche Hoffnung aus und versicherte, daß sie in Geduld harren wolle, bis sich der ersehnte Sonnenblick finden werde. Sie schloß mit den Worten:
„Ich habe mir es selbst gelobt, keinem anderen Manne zu gehören, als Dir; ehe ich eines anderen Mannes Braut werde, werde ich lieber Braut des Himmels und gehe in's Kloster."
„Dazu wird es Zeit haben," entgegnete Constantin. „Jetzt laß uns das Gelübde nochmals wiederholen, uns ewig treu zu bleiben."
„Mißtraust Du mir, daß ich mein Wort brechen werde?" fragte das Mädchen.
„Nein," entgegnete Constantin, „aber die Verhältnisse zwischen damals und jetzt haben sich geändert. Schwören wir deshalb nochmals."
Beide leisteten sich den Eid ewiger Treue zum zweiten Male.
Es war dieses das letzte Mal, daß die Liebenden sich sahen, denn nach ein Paar Tagen erhielt Barbara auf geheimem Wege die Nachricht, Constantin sei wieder nach Warschau zurückgekehrt. .
Trauriger als je flössen jetzt für Barbara die Tage dahin; sie wurde fortwährend gemahnt, nicht mehr an den Studenten zu denken, und sowohl Vater als Mutter erklärten ihr, sie würden nie in die Verbindung ihrer Tochter mit dem Studenten einwilligen.
Barbara flehte und bat. Ilmsonst, die Eltern blieben unerbittlich, und als sie endlich der Tochter Beharrlichkeit sahen, sagte der Vater mit strengem Tone:
„Gut, hänge Dich an jenen Menschen, aber der Eltern Fluch wird dann auf Euch Beiden lasten."
Dieses Wort traf Barbaras Herz wie ein Donnerschlag, sie schwieg und brach in Thränen aus. Was hätte sie einem solchen Worte sonst auch entgegenzusetzen gehabt, als Thränen?
„Wähle einen Anderen," rieth die Mutter. „Es giebt ja noch so viele brave Männer in der Welt, es muß ja nicht gerade der Student sein."
„Eben er soll es sein!" beharrte Barbara mit erwachender Festgkeit.
„Das geschieht nie!" hieß es.
„Dann gehe ich in's Kloster!" rief Barbara.
Dieses Wort zündete bei den Eltern; sie billigten einen solchen Entschluß, der ihren eigenen Wünschen zuvorkam, und Beide wirkten zwar langsam, aber beharrlich in diesem Sinne auf ihre Tochter ein.

