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Mit angehaltenem Athem hatte Maria diesen Worten des Oheims zugehört. Das Herz wollte ihr zerspringen vor Schmerz und Bangen, und mit tonloser Stimme fragte sie:
„Auch Sie glauben dieses, Onkel?"
„Ich glaube es nicht nur, sondern bin davon sogar überzeugt," entgegnete der Onkel.
Aber er senkte doch wieder die Augen zur Erde, denn er fühlte das Gewicht der Unwahrheit, welche er jetzt wieder aussprach. War er doch ganz von dem Gegentheile überzeugt. — Was wollte er aber thun? — Er mußte so und nicht anders sprechen.
„Kann man denn eine Unschuldige auch verklagen?" fragte Maria mit klagendem Tone.
„Wäre es das erste Mal, daß dieses geschieht?" fragte der Gras dagegen.
Maria seufzte.
„Vor dem strengen Richter wird das Weib so wenig geschont, als der Mann," sprach der Graf weiter; r oft sogar straft man es verhältnißmäßig härter, als den Mann."
Wieder wandte dann der Graf alle Beredtsamkeit auf, die Nichte zu dem verlangten Entschlüsse zu stimmen, und erklärte endlich mit steigender Barschheit, daß die Rücksichten auf sich und seine eigene Familie chn nöthigten, auf Gehorsam zu dringen, damit das, was er kraft der ihm übertragenen väterlichen Gewalt anordne und das er für das Beste für seine Nichte halte, von derselben auch unweigerlich erfüllt werde.
„Also wirst Du Dich in ein Kloster zurückziehen," schloß er mit Strenge. „Sonst ist keine Rettung für Dich. Ich werde die nöthigen Schritte für Deine Aufnahme thun und hoffe, daß bis dahin durch meinen und meiner Freunde Einfluß jede Verfolgung gegen Dich eingestellt wird. Es ist entschieden!"
Golchowsky sprach dis letzten Worte in dem allerstrengsten Tone, den er in seiner Gewalt hatte, und dieser verfehlte seine Wirkung nicht. Maria ließ das Haupt noch tiefer sinken.
„Es ist entschieden, daß ich unglücklich bin," entgegnete sie dann leise und mit gebrochener Stimme. „Ob ich nun mein unseliges Leben da oder dort beschließe, das ist zuletzt gleichgittig."
Nach diesen Worten wandte sie sich nach der Thüre.

