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Barbara aber sagte dann zu sich selbst: „Ihr Alle seid Heuchlerinnen und macht auch mich zur Heuchlerin!"
Aber ihre Sorge stieg, beständig schwebten ihr Josepha's prophetische Worte vor und diese Sorge sprach sie in Mittheilungen aus, welche sie dem Geliebten von Zeit zu Zeit zu machen Gelegenheit sand. Diese Gelegenheiten fanden sich jetzt um so leichter für sie als früher, da die Nonnen durch ihr Betragen nun vollständig getäuscht waren und keinen Verdacht mehr gegen sie hegten.
Desto aufmerksamer war Barbara auf ihre Umgebung. Eben weil sie Beobachtung und durch solche Verrath fürchtete, beobachtete sie selbst mit scharfen Augen und da machte sie immer neue Entdeckungen, die ihr nach und nach die Gewißheit beibrachten, es sei keine Nonne im Kloster vorhanden, die besser wäre als sie selbst, da Alle ihre Verhältnisse gehabt oder zum Theil, was die jüngeren Nonnen betraf, wohl noch hatten, daß die Mehrzahl unter der Nonnenkutte recht weltliche Gedanken hegte, daß die Gespräche, die geführt, die Liedchen, die gesungen wurden, nichts weniger als geistlichen Charakters waren.
So schwand endlich der Winter und Barbara fand wieder Gelegenheit, mit Constantin eine Zusammenkunft zu halten. Sie sagte ihm dabei Alles, was sie aus dem Munde der sterbenden Iosepha erfahren, und wünschte, daß ihr Leben im Kloster nun bald seine Endschaft erreicht haben möge und sie wieder der Freiheit sich erfreuen könne.
Constantin versprach ihr wiederholt, daß er sein Möglichstes thun und sobald er gesichert sei und einen sicheren Zufluchtsort für sie wisse, er sie befreien wolle, bis dahin, bat er sie, möge sie nur geduldig harren.
Lieber wäre sie zwar dem Geliebten auf der Stelle gefolgt, allein sie mußte sich in das für jetzt Unabänderliche schicken. Sie lehnte ihr Haupt an Constantin's Brust und süße Worte flüsterten hin und her. Bald umfing wieder der süßeste Liebestaumel in seligem Rausche die Liebenden, die für Minuten den Himmel wie die Erde darüber vergaßen und doch wähnten, im Himmel zu sein.
Als die Liebenden aus dem Taumel ihrer Sinne erwachten, da dachte Barbara mit Erschrecken an das Geschehene und an das Kloster. „Constantin, Constantin," flüsterte sie, „Du wirst mich nicht verlassen!"
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