Zweirmddreißigstes Kapitel.
Eine Spur.
In dem Kloster rief der Tod der Schwester Iofepha keine anderen Veränderungen hervor, als daß ihre Zelle nun leer stand, einer neuen Bewohnerin harrend, die sich vielleicht glücklicher in ihrer Lage fühlte als ihre Vorgängerin, vielleicht aber auch gleich unglücklich. Wer konnte es wissen?
Für Schwester Iofepha war ein einfaches Leichenbegängniß veranstaltet worden; der Bischof hatte die Leiche eingesegnet, der Beichtvater des Klosters einige salbungsvolle Worte gesprochen und dann wurden die Todtengesänge angestimmt, unter deren Klängen man den Sarg in die als Gruft dienenden Kellerräume trug und ihn den dort schon aufgeschichteten Särgen beigefellte.
Nachdem einige Tage für die Verstorbene Messe gelesen war, dachte Niemand mehr an sie, außer Barbara.
Es verging eine Woche, eine zweite, Barbara ward bleicher und zugleich unruhiger. Die von der sterbenden Iofepha erhaltenen Prophezeiungen bewegten ihre Brust, sie wünschte sich nur um so sehnlicher weit hinweg von dem Kloster. Aber sie war durch die gemachten Erfahrungen auch schon so gewitzigt, daß sie alle Verstellungskunst aufwendete, um äußerlich ganz ruhig zu scheinen; auch wußte sie sich den Anschein zu geben, als sei sie nur mit allem Eifer auf pünktliche Erfüllung der Klostervorschriften bedacht. Es gelang ihr auch wirklich, dadurch ihre Umgebung zu täuschen, die Vorgesetzten zeigten sich befriedigt dadurch und die Aebtissin ließ sogar bisweilen Worte der Anerkennung fallen und sagte auch-. „Schwester Barbara beginnt den Weg der Heiligkeit zu wandeln und sie kann noch ein Vorbild für ihre Schwestern werden. Ich will zu der heiligen Jungfrau flehen, daß sie es auch wirklich wird."

