zu haben, der sich um diese Dinge bekümmerte und seine Zöglinge damit vertraut machte. So wurde der Grund gelegt, daß Sailer spater selbst als deutscher Schriftsteller berühmt werden konnte.
Nicht minder günstig waren seine Verhältnisse zur Entwicklung der sittlichen Anlagen und des religiösen Lebens. Man ging damals von dem Grundsätze aus, daß es keine wahre Sittlichkeit ohne Reli- giösität gebe; darum wurde jeder Schultag mit einem öffentlichen Gottesdienst, wobei die Lehrer zugegen waren, eröffntet und der Unterricht selbst mit Gebet angefangen und mit Gebet geschlossen. Besonderes Gewicht wurde auf den Religionsunterricht gelegt. Da erwachte in Vielen der Geist des Betens, der Sinn für Bescheidenheit, der Eifer, sich rein zu bewahren. So wenig ermüdeten sie über den öffentlichen Andachtsübungen, daß die Meisten aus freiem Antriebe Abends noch mehrere Kirchen besuchten und mit Gebet die Tagesarbeit schlossen. Dieser Geist der Andacht fand noch mehr Pflege, als Sailer im Jahre 1770 als Noviz in die Gesellschaft Jesu trat. Hier, im Noviciat zu Landsberg, führte er nach eigenem Geständniß ein paradiesisches Leben. „Betrachtung des Ewigen, Liebe des Göttlichen und eine Andacht, die sich in diesem Doppelelemente bewegt, dieß wahrhaft höhere Leben war der Gewinn dieser Jahre;" so schrieb er selbst hierüber an einen seiner Freunde. Doch nur drei Jahre währte dieses paradiesisch einsame Leben: die Gesellschaft Jesu wurde aufgelöst— Sailer sollte nicht Jesuit werden.

