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ihre Gruppirungen nirgend anders gefunden haben, als eben in dem, was sie bei den gottesdienstlichen Handlun­gen zu erblicken gewohnt waren. Warum sind ihre En­gelsgestalten mit weißen Gewändern bekleidet, mit um­gürteten Lenden und knieend in tiefer Anbetung versunken abgebildet, während in den Gemälden neuerer Zeit eben diese seligen Geister nur als wohlgenährte, in den Wol­ken spielende und sich herumtummelnde Kinder unserm Auge sich darstellend Die Ursache ist keine andere, als daß gerade diese Kleidung und diese Stellung, die den meist jugendlichen Clerikern, welche den kirchlichen Functio­nen beiwohnten, eigenthümliche Kleidung und Stellung war. Woher entnahmen die Künstler für die Heiligen, welche um den Thron der göttlichen Mutter herumstehen, die Co- stüme, mit ihren kostbaren Stickereien und ihren reichen Falten, welche dem prächtigen Farbenspiele dieser Schule ein so weites Feld öffneten? Wo fanden sie die Ideale, nach welchen sie die Gruppen um Marien's Thron ver­theilten, und diesen Gestalten einen so demuthsvollen Blick und. eine so ungezwungene Stellung zu geben wußten, wenn nicht in den ehrwürdigen Dienern der Kirche, durch welche die heiligen Handlungen vollzogen werden? Ein sinnig zartes und feierlich erhabenes Gefühl wohnt durch alle Werke dieser großen Meister, ein Gefühl, welches durch nichts anders in der Natur konnte erweckt werden, als durch das, was wir in dem kirchlichen Ritus ausge­führt sehen: und wahrlich ihre schönsten Gemälde haben in ihrer Anordnung und in ihrem Ansdrucke eine Äehnlich- keit, welche auch eine geringe Einsicht nicht verkennen kann.

Daß an der Ausschmückung der sirtinischen Kapelle sich das Malergenie eines Michael Angelo entfaltet habe, ist historisch gewiß. Warum aber dieselbe Kapelle gleich­sam widersprechende Kunstelemente in sich fasse, das hat seinen Grund in den Zeitverhältnissen, unter welchen das schöne Werk Sixtus IV. ausgeführt worden.

Weit entfernt aber, daß wir hierüber in ästhetischer Hinsicht zu klagen Ursache hätten, so muß es als ein Glück für die Kunst angesehen werden, daß dem also ist. Denn, wie der Verfasser, sehr richtig bemerkt, auf solche Weise ist diese Kapelle das Heiligthum der in ihrer zweifachen Form

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