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sich offenbarenden Kunst geworden. Sie ist nämlich der Ort, an dem der letzte große Zug der alt christlichen Kunst sich geoffenbaret, an dessen Wanden diese unter dem Schutze der Tiara, die sie vor Vernichtung wahren konnte, ihre letzten Denkwürdigkeiten ausgezeichnet hat; aber zugleich ist sie auch die eigentliche Wiege und Pflanzschule der freien, aber profanen Kunst, welche hier wenigstens die Fülle ih­rer jungen Kraft dem höchsten und heiligsten Werke ge­weiht hat.

Nachdem Wisemann, in allgemeinen, aber treffenden Umrissen, das Bild der Sixtinischen und der Paulinischen Kapelle entworfen, geht er über zu der Basilika des heil. Petrus, als Meisterstück der Architectur, wie die ebenge­nannten, päpstlichen Kapellen Meisterstücke der aus dem * katholischen Geiste erblühten Malerei dargeboten haben.

Die katholische Architectur eines jeden Zeitalters ist nichts anderes, als das Denkmal seines religiösen Standpunktes und daö Kennzeichen des in demselben vorwaltenden Gei­stes. Die ersten Versammlungsorte der Christen waren ganz ihrer bedrängten Lage angemessen; in Privathäusern, in unterirdischen Gewölben, in Gräbern wurden die heili­gen Geheimnisse gefeiert. Nachdem das Kreuz unter Con- stantin gesiegt, wurden die heidnischen Tempel, als Tro­phäen, zur Verehrung des wahren Gdttes eingerichtet und eingeweiht. In den nördlichen Gegenden, wo die Kunst, und folglich auch die Architectur, aus dem Christenthum hervorgegangen, trägt sie auch ganz das Gepräge des christlichen Glaubens, und die sogenannte gothische Bauart ist eigentlich der in architectonischen Formen verwirklichte |> Gedanke des Christenthums.

Der Petersdom ist aber der eigentliche Ausdruck der durch das Studium der alten Muster wieder auflebenden christlichen Kunst, und ihr Bau die wahre Offenbarung des katholischen Geistes. Er ist erbaut worden, um den Schauplatz zu bilden, wo das Oberhaupt des katholischen Universums als fungirender Hoherpriester auftritt; diese großartige Liturgie hat dem Künstler die schöne Form an­gewiesen, wie sie nirgends sonst kann erschaut werden.

Nach ihrem Zweck muß also die Basilika des Vaticans be- urtheilt werden, und nicht nach dem Maßftabe irgend ei­nes andern profanen Gebäudes. Sie ist die Verwirk-