den Empfindungen eines jeden Zeitalters in dem Gottes­dienste zum AuSdruck kommen, und so für die späteren Zeiten in monumentalen Ueberresten überliefert werden. Das Monumentalische bildet demnach den Hauptzug der christlichen Liturgie. Was uns also in der römischen Kirche als ein von dem Ritus der übrigen Kirchen abweichender Gebrauch erscheint, ist eigentlich nur die beibehaltene äl­tere, früher allgemein übliche Form. AlS Beispiele er­lauben wir uns bloß den Empfang der heiligen Commu- nion durch ein goldenes Rohr, wie sie am Ostertage von dem Kirchcnoberhaupte gefeiert wird, die Taufe am Char- famstage, die Fußwaschung u. s. w. anzusühren. Die we­sentlichen Punkte, die in diesem dritten Vorträge abge­handelt werden, sind: der Mitternachtsgottcsdienst, die symbolische Bedeutung des mit Nothwendigkeit entstandenen Ritus, die Erinnerungen an den Triumph des Christen- 1hnni?s, in der Verehrung des Kreuzes und der Prozession des Palmsonntages sestgehalten, die Einführung des Tris- hagion's, die Erinnerungen aus dem Mitteialter und das Verhältniß der lateinischen zur römischen Kirche.

In dem letzten Vortrage endlich entwickelt der ge­lehrte und fromme Verfasser das Verhältniß, in welchem die gottesdienstlichen Handlungen der Lcidenswoche zur Mo­ral stehen. Wie in der katholischen Kirche Alles nur auf die Entwicklung des geistigen Lebens hinzielet, so muß eS jedem leicht begreiflich werden, daß besonders die Passions­liturgie dazu das Meiste beitragen mußte, das menschliche Gemüth für das Höhere empfänglich zu machen, und solche Früchte hervorzubringen, wie sie das Chriftenthum von seinen Anhängern fordert. Daß dies nicht leere Idee sey, davon gibt uns die vorliegende Schrift, in ihrer letzten Abtheilung, die zuverläßigsten Beweise an die Hand. Am deutlichsten hat sich der Einfluß des Gottesdienstes in der stillen Woche auf die öffentliche Sittlichkeit in dem Mittel- alter kund gegeben, wo die rohe Gewalt nur durch die Kirche in die gehörigen Schranken zurückgewiesen werden konnte. Nun aber ist die mildere Sitte, welche wir in den spätern Jahrhunderten schauen, daS Resultat dessen, was auf unsere Ahnen von der Kirche als Erziehungsmit­tel ist angewenvet worden; eine Thatsache, welche die