13

An Kleon.

Willst du noch immer nicht die trüben Wolken verscheuchen, die deinen Horizont umhüllen? Sollen Kummer und Gram deine ewigen Gefähr­ten feyn? Ich will keinen leidigen Tröster abge­ben, laß uns aber das Nebel, welches dich quält, mit einander kaltblütig untersuchen. Sollte es sich wenigstens nicht lindern lassen?

Du hegst Zweifel in der Religion und sollst doch andre lehren. Und zwar erstrecken sich diese nicht allein auf Nebendinge, sondern auf Grund­wahrheiten, mit denen das Christenthum stehen oder fallen muß.

Wärst du leichtsinnig, so würdest du dir hier­über kein Bedenken machen, sondern anders leh­ren und anders denken, oder die wesentlichsten Lehrsätze unsres Glaubens verstümmeln und in ein leeres, unfruchtbares Gewäsch verwandeln. Aber so denkt. Gottlob, mein Kleon nicht, dem Aufrichtigkeit und Redlichkeit von jeher heilig war.

Es wäre unnütz, wenn ich dir die Gründe, die mich überzeugt haben, aufzählen und Vor­halten wollte. Sie sind dir bekannt, du hast die vornehmsten Vertheidigungsschriften unsrer Re­ligion,