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ich den Jungen Wohl hüten, daß er nicht zu lateinisch würde. Außerdem sollte er, wie sich von selbst versteht, noch rechtschaffen ein Handwerk lernen, und mir in den müßigen Stunden nähen helfen, bis man sähe, was Gott aus ihm machen will, und damit er sein Brod hätte, bis er etwa sein Latein würde gebrauchen können." Das gefiel nun auch Vater Eberhard nicht übel, und Margarethe stimmte ihm gleichfalls bei und machte aller weitern Ueber- legung dadurch ein Ende, daß sie fick erbot, den Jungen Morgens satt füttern, ihm alsdann ein Butterbrod für den Mittag in die Tasche geben und des Abends ihn dann wieder an ihren Tisch nehmen zu wollen, „So kann der Junge, fügte sie hinzu, Morgens früh nach Hilchenbach gehen, den Tag über dort Latein lernen, und Abends wieder kommen, ohne daß es für uns zu kostspielig wird." Das leuchtete Allen ein, und so ward der Entschluß gefaßt. Diesem gemäß begann also Heinrich, sein Latein zu lernen, und trieb die Sache mit einem solchen Eifer und Glücke, daß er in kurzer Zeit die ersten Schwierigkeiten siegreich überwand und sich im Ueber- setzen. Verstehen, Lesen und Schreiben des Lateinischen bald eine für sein Alter ungewöhnliche Fertigkeit erwarb. Zugleich erlernte er aber bei seinem Vater das Schneiderhandwerk, und vervollkonunnete sich hierin nicht minder mit dem besten Erfolge. Für Heinrich waren dies glückliche Tage, und seine Freude wurde namentlich dadurch ganz wesentlich erhöht, daß der wackere Schulmeister ihm die Benutzung seiner kleinen Bibliothek freistellte, was er mit dem innigsten Danke annahm, und daß ihm desgleichen sein Vater noch einige andere herrliche Schriften, insbesondere auch von Luther, obendrein anschaffte und auf diese Weise den Grund legte zu einer eigenen kleinen Bibliothek.
Ehe wir nun aber den Fortgang von Heinrichs Lateinlernen berichten, müssen wir noch eines Ereignisses gedenken, das für die ganze Stillingsche Familie so verhängnißvoll werden und sie in die tiefste Trauer versetzen sollte. Seit achlundvierzig Jahren hatte Vater Eberhard nach altem Herkommen einen Theil seines Hausdaches in eigner Person neugedeckt, und die Zeit des Dachdeckens rückte jetzt für dieses Jahr gleichfalls heran. Heinrich freute sich dieser Zeit schon im Voraus herzlich, denn er war dazu ausersehen, seinem Großvater als Handlanger zu dienen. Und so sehr er auch allerdings auf Studiren und Bücher erpicht war, so kannte er doch kaum eine größere Freude, als in Gesellschaft des ehrwürdigen Greises Eberhard Wald oder Feld zu durchstreifen, oder, wie in diesem Falle, auf das -Hausdach zu klettern. Alle übrigen Glieder der

