1. Heber die Proſtitution im Allgemeinen.
Vorkommen der Proſtitution bei allen Kultur-Völkern.— Sie kann nicht ausgerottet werden.— Sie iſt eine Folge der menſchlichen Kultur und ein nothwendiges Uebel in derſelben.
Unter Proſtitution verſtehen wir die bezahlte ſinnliche Liebe, das Gewähren phyſiſcher Liebe von weiblicher Seite für Geld; ein eigentliches und meiſt öffentliches Feilbieten des Leibes zur geſchlechtlichen Benützung für Geld*)!
Die Proſtitution beſtand von jeher in jeder größeren menſchlichen Geſellſchaft, die auf einem beſtimmten verhältnißmäßig kleinen Raum beiſammen wohnte, und iſt ſo alt als die Geſchichte der menſchlichen Kultur, ja als die Kultur ſelbſt, denn ſo weit unſere Kenntniſſe über dieſe reichen, ſo weit finden wir auch Nachricht über jene.
Dieſes ſtete Zuſammentreffen der Proſtitution mit der Kultur der Völker aller Zonen deutet auf einen nothwendigen Zuſammenhang beider, und muß auch die Erſtere wirklich als eine Folge, als ein Ergebniß der Letzteren betrachtet werden.
Unſittlichkeit jeder Art finden wir wohl auch bei allen Naturvölkern; aber nicht die Entlohnung einzelner Begünſtigungen weiblicher Reize, nicht einen eigentlichen Handel mit dieſen von Seite der Beſitzerinnen ſelbſt. Im Naturzuſtande, wo den Menſchen eben Nichts hindert naturgemäß zu leben, iſt keine Veranlaſſung zum Entſtehen dieſer Erſcheinung. Ganz anders verhält ſich dieß bei vorgeſchrittener Kultur, welche die natürlichen Verhältniſſe der Menſchen ſo ſehr verändert, daß es vielen Tauſenden nur geſtattet iſt, das Leben allenfalls— zu ſehen, nicht aber ſelbſt zu fühlen und geſetzlich zu genießen! Da aber mit der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit der natürlichen Befriedigung menſchlicher Bedürfniſſe und
) Wir werden mit Umgehung der bisher gebräuchlichen deutſchen Ausdrücke die Repräſentantinnen dieſes Geſchäftes in vorkommenden Fällen Geldmädchen nennen.

