Jungen von zwanzig Jahren gäbe, wie für Kinder, ſo könnte man ihrer nicht genug bauen.

Aber im Jahrhundert meines Onkels Benjamin ging die Sache ganz anders; das war das goldene Zeit­alter der Hebammen und Hebärzte. Die Weiber über­ließen ſich ohne Unruhe und ohne Hintergedanken ihren Inſtinkten; arm oder reich, alle hatten Kinder, und ſelbſt die welche kein Recht dazu hatten. Aber damals wußte man die Kinder unterzubringen; die Konkurrenz, dieſes Ungethüm mit Stahlzähnen das ſo viele kleine Leute verſchlingt, war noch nicht erſchienen; jedermann fand einen Platz in der Sonne, und in jeder Profeſſion hatte man die Ellbogen frei. Die Stellen boten ſich den Leuten, die fähig waren fie auszufüllen, von ſelbſt an, wie reife Früchte die am Aſt hängen; und ſogar der Dummkopf fand ein Unterkommen, jeder nach der Spe­eialität ſeiner Dummheit. Der Ruhm war ſo gutwillig wie das Glück; man bedurfte zweimal weniger Geiſt als heutzutage um Schriftſteller zu ſein, und mit einem Dutzend Alexandriner war man Dichter.

Das will übrigens nicht heißen daß ich mich nach jener blinden Fruchtbarkeit der alten Zeit ſehne, die wie eine Maſchine producirte ohne zu wiſſen was fie that ich habe ſo ſchon Nachbarn genug; ich wollte dem Leſer nur begreiflich machen wie zur Zeit, von der ich Mein Onkel Benjamin. 12