Nicht wahr, Ulrike, solch eine Linde wäre schon einer Reise werth? — Ja gewiß, lieber Vater, und wäre sie etwa 10 oder 20 Meilen von unk entfernt, so machte ich mich gleich auf den Weg, sie zu sehen, und ihr meine Ehrerbietung zu beweisen. — Ich weiß von einer andern zu erzählen, fügte ein Jäger hinzu, der in der Nähe von Berlin zu Haufe gehörte, die auf dem Kirchhofe des Städtchens Alklandsberg prangt, und gewiß auch schon Jahrhunderte steht. Einer ihrer niedrig» sten Aeste reichte über den ganzen Kirchhof hin, und als einst bei dem Durchmarsch eines Regiments die Soldaten auf den Einfall kamen, sich auf diesem Aste zu schaukeln, und zu versuchen, wie viele von ihnen er wohl tragen könnte, brach er nickt eher, als bis sich der vierzigste daran gehängt halte; Zg Mann harte er also auf einmal beherbergt. Er steht noch immer als ei» Wunderbaum da, und gehört zu den Sehenswürdigkeiten dieser Gegend.
Einen Waldbaum haben wir bisher vergessen, erinnerte der Vater, der zu den Zierden des Waldes gehört, und vor vielen andern genannt zu werden verdient; aber Ihr habt alle feiner nicht gedacht, weil er in meiner Forst fast gar nicht zu finden ist: aber in einer benachbarten habt Ihr ihn oft gesehen, und Euch über seine Schönheit gefreut. Wer befinnt sich auf diesen Baum? — Keine von den Kindern ivußce ihn zu nennen, und es einstand eine große Stille von einigen Minuten. — Denkt an die Schweine, rief der Vater, und er wird Euch sogleich eine fallen- — Ach, es ist gewiß die Buche, ivelche der Vater meint, rief Hermann. — Du hasi's getroffen, erwiederte Frohmuth; es giebt nichts Schöneres in unserer Natur, als einen Buchwald. Welch Herr» liche Stämme von 80 bis 90 Fuß! Welch ein liebliches Laub! Seine Früchte, die Bucheckern, kennt Ihr, und wißt, daß sie eine vorzüglich gute Mast für Schweine find; darum wird der Baum auch die Mast» buche genannt. Aber das werdet Ihr wohl nicht wissen, daß diese Bucheckern auch «in sehr brauchbares Oel geben, und daß man aus dem Holze der Buche Späne verfertigt, welche pergamenlaccig sind, und zum Pressen verschiedener Zeuge, von den Buchbindern zum Einband der Bücher, und von den Schuhmachern zu den Sohle» benutzt werden. Auch Stampfen und Presse» macht mau aus diesem Holze, aber nicht Gerät!), weil es so leicht von Würmern angegriffen wird.

