Bewohner Amerika s. Die Indianer. 37
Gewässer, gleichviel, ob seicht oder tief, ob offen oder zugefroren, halten ihn auf, das angeschossene Wild oft meilenweit zu verfolgen und zu Tode zu jagen. Zeit darf er nicht verlieren, da das gejagte Wild schnell enteilt, und es ist ihm nicht gestattet, zu bedenken, ob es seinem Körper schädlich sei, wenn er schweißtriefend sich in das kalte Wasser stürzt, oder nicht. Zugleich muß er auf der Huth sein, beim Zusammentreffen mit Feinden sich schützen und vertheidigen zu können.
Was der Mann an Fellen und Pelzen heimbringt, nimmt die Frau in Verwaltung, und bestreitet davon das, für die Familie und ihren Mann Nöthige anzuschaffen. Sie vertauscht oder verkauft das Überflüssige, um Nothwendiges dafür einzuhandeln. Den Ertrag der Ärnte, welche von der Frau eingebracht worden, übernimmt der Mann, verfügt darüber nach Gutdünken, und theilt auch seinen armen Verwandten davon mit, wenn er deren hat. Ebenso ist auch der gewonnene Ahornzucker Eigenthum des Mannes. Bei den verschiedenen Mitgliedern eines Stammes herrscht Gütergemeinschaft, doch so, daß das ausschließliche Eigenthum der einzelnen Familien anerkannt ist, und im Hause des Indianers Nichts angetroffen wird, das nicht seinen bestimmten Herrn hätte. Ältern und Kinder beschenken sich gegenseitig, und Keiner benüht das Eigenthum des Andern, ohne daß es ihm erlaubt worden. Der Familienvater leiht zuweilen von seiner Frau oder seinen Kindern ein Pferd, um damit aus die Jagd zu reiten, und wenn eine Henne Küchlein hat, ist es nicht selten der Fall, daß jedes Thier einem andern Gliede der Familie gehört, so daß man genöthigt ist, wenn man eine Henne mit ihren Jungen kaufen will, mit jedem Gliede der Familie einzeln zu handeln.
Die Indianer sind in ihren Häusern zärtlich gegen ihre Familie, und thun den Ihrigen zu lieb, was in ihren Kräften steht. Der Mann wird von den übrigen Weibern des Stammes um so höher geachtet, je mehr er für seine Frau thut. In Krankheitsfällen der Frauen thun die Männer Außerordentliches, und es sind Beispiele vorhanden, daß ein Mann seiner Frau zu Liebe ao — so Meilen weit ging, um die Wünsche derselben zu erfüllen. Es kam sogar schon der Fall vor, daß der Mann seiner Frau zu Liebe lvo Meilen weit ritt, um die Wünsche derselben nach einem Gericht Wälschkorn zu erfüllen, daß er sein Pferd für einen Hutkopf voll dieses Getraides hergab, und zu Fuß zurückkehrte, das Wälschkorn und seinen Sattel mit sich tragend.
Sollte der Fall eintreten, daß ein Mann gerechte Ursache hätte, mit seiner Frau zu zanke», oder sie zu schelten, so vermeidet er es dadurch, daß

