38 Bewohner Amerika's. Die Indianer.

er sein Gewehr nimmt, in den Wald geht, und 8 oder ir Tage, sagend, von Hause fortbleibt. Aus diese Weise lebt die Frau in Ungewißheit, ob der Mann zurückkehren werde oder nicht. Die Frau wird dadurch in der Ortschaft übel berüchtigt, als ein zänkisches Weib, und das ist eine harte, wenn auch wohlverdiente Strafe für sie. Wenn ein solcher Fall eintritt, sagt der Mann es nicht vorher, wohin er geht, und wann er wiederkehren wird, sondern läßt das Weib und die Nachbarn darüber im Zweifel; wenn gleich er bei günstigen ehelichen Verhältnissen der Frau gerne mittheilt, wohin er geht, und bis wann er heimzukehren gedenkt. In solchen Fällen argwohnen die Nachbarn etwas, fragen die Frau nach der Ursache der Ab­wesenheit ihres Mannes, und beschämen dieselbe dadurch. Kehrt der Mann beim, so spricht er nichts mit der Frau, und sie fühlt dann wohl, daß sie ihn beleidigt habe, nnd daß er, wenn ein solcher Fall wieder eintreten würde, sie entlassen und sich dann eine andere Fra» nehmen könnte. Eine solche ernstliche Warnung verfehlt ihr Ziel selten, und starrköpfige Weiber werden dadurch gewitzigt, und pflegen dann einzusehen, was sie verloren haben würden mit ihrem Manne, und bessern sich dann in der Regel.

Vor der Abschlicßunq der Ehe pflegen die Ältern beider Theile, wenn sie eine Neigung zwischen ihren Kinder» bemerkt haben, mit einander für dieselben zu unterhandeln. Gewöhnlich ist's, daß die Ältern des Bräu­tigams den Anfang machen, und daß die Mutter desselben für den Sohn die Einleitung beginnt, indem sie ein Stück Bärenfleisch, oder die Keule eines Wildes, in das Haus der Braut bringt, versichernd, daß ihr Sobn, den sie nach Mutterweise lobt, der Erleger des Thieres gewesen sei. Billigt die Mutter der Braut die Heirath (denn aus dem Dargebrachten erkennt sie den Wunsch des Bräutigams), so bereitet sie ein Gericht aus Gegen­ständen, welche von den Frauen erworben worden, bringt dasselbe in das Haus des Bräutigams, und sagt dabei, daß dieses von dem Felde ihrer Tochter, und durch dieselbe erlangt und bereitet sei. Wenn die Mütter einander die frohe Nachricht mittheilen können, daß ihre beiderseitigen Kin­der gesagt hätten, das Überschickte des einen Theiles Habehen Beifall des Andern erhalten, so heißt das so viel, als ob der Sohn der einen Mutter gesagt hätte, deine Tochter ist mir zur Bestreitung der Feldarbeit und des Hauswesens sehr recht und lieb, und ich hoffe an ihr eine gute HansbLl- terin zu erhalten, und ebenso anderer Seits, wenn die Tochter gesagt hätte, dein Sohn ist ein vortrefflicher Jäger, und ich bin überzeugt, daß er mich und unsere zu hoffende Familie stets mit Wildbrät versorgen werde. Ist dieser Zeitpunkt eingetreten, so werden ähnliche Geschenke oft wiederholt.