Bewohner Amerika s. Die Indianer. 3 i>
Beide Familien näher» sich einander immer mehr und mehr, betreiben ihre Geschäfte gemeinschaftlich, bis die Brautleute übereingekommen sind, bei einander zu wohnen, worauf sie dann von ihren Ältern die nöthigen Ge- räthschaften erhalten.
Wenn junge Männer älternlos sind, ist der Weg kürzer, sie wenden sich unmittelbar an die Gewünschte, und sagen ihr: „Ist dir's recht, so kannst du meine Lebensgefährtin sein." Bejaht das Mägdchen die Frage, so ist die Angelegenheit im Reinen, und man gebraucht Niemand weiter dazu. Die so erworbene Braut geht entweder sogleich mit ihrem Bräutigam, oder trifft sich mit demselben an einem verabredeten Orte. In einem andern Falle geht der Liebhaber zur Geliebten, hält zwei Finger dicht nebeneinander, zeigt ihr dieselben, während er ihre Augen scharf beobachtet; lächelt sie zu diesem wohlbekannten Zeichen, so ist das eben so viel, als ob sie ja gesagt hätte, lächelt sie nicht, so zeigt es an, das; sie sich mit dem jungen Manne nicht zu vereinigen wünsche.
Mein geehrter Freund Bromme, welcher Nordamerika als Augenzeuge vorzüglich kennt, und dessen neuestes Werk auch hier stellenweise benutzt ist (während ich zugleich viele andere Reisewerke benützt habe), äußert sich Seite 168 so:
Bei den Chippemays wird die Bewilligung der Heirath beim Vater des Magdchens eingeholt; willigt der Vater ein, so wird eine Zusammenkunft verabredet, zu welcher sich der Liebhaber durch ein Schwitzbad vor- bereitet. Dann kommt er mit der Geliebten zusammen, setzt sich aus die Erde und raucht seine Pfeife. Unter dem Rauchen wirft er beständig kleine Stückcben Holz, etwa einen Zoll lang, eins nach dem andern, bis auf hun dert, nach ihr; fo viel Hölzer die Braut in einem Napfe aus Birkenholz auffangen kann, so viel Geschenke muß ihr Liebhaber ihrem Vater geben, der diese als Bezahlung für seine Tochter betrachtet. Der junge Krieger gibt alsdann ein Mahl, wozu er die ganze Familie einladet. Nach beendigtem Mahle tanzen sie und singen ihre Kriegslieder. Wenn die Lustbarkeit vorbei ist, und der Bräutigam und die Verwandten der Braut sich gegenseitig Geschenke gemacht haben, bedeckt sie der Vater mit einer Decke von Biberfell, und gibt dem neuen Paare außerdem eine neue Flinte und ein Kanoe von Birkenrinde, womit die Zeremonie endet.
Bei den Nadowossiern muß der junge Mann erst Beweise seiner Ge- schicklichkeit ablegen, ehe er ein Mägdchen als Frau einholen kann, keineswegs aber Knechtsdienste verrichten, wie Carver in seiner Reise behauptet; auch bei den Sa cknatio nrn werden Beweise der Geschicklichkeit erfordert

