der größten Gleichgiltigkeit und Gefühllosigkeit.
Ehe die Indianer mit den Europäern bekannt geworden, und in Umgang gerathen, kannten sie die natürlichen Blattern nicht. Da sie gegen diese Krankheit sehr empfänglich sind; so sind ganze Vvlksstämme, durch diese ansteckende furchtbare Krankheit, auf ihre gegenwärtige unbedeutende Anzahl herabgebracht worden. Nichts fürchten die Wilden so sehr, als die Anzeichen dieser Krankheit. Bemerken sie diese Zeichen, so verlassen sie nicht nur ihre nächsten Angehörigen, sondern selbst die Gegend, die ihnen mit Ansteckung droht. Obgleich sie sich gegen ihre Krankheiten sehr einfacher Mittel bedienen, sind unter denselben doch mehre, die höchst nachtheilig und gefahrbringend auf sie einwirken müssen. Bei mehren Stämmen stürzen sich die Fieberkranken in kaltes Wasser und überleben diese Heilart meist nur kurze Zeit. Aderlässen wenden sie mit mehr Erfolg an; auch ritzen sie den Körper an verschiedenen Stellen, um ihm Blut zu entziehen. Sie lassen mit einem kleinen Bogen und sehr spitzen Pfeil zur Ader. Wenn sie Leibschmerzen haben, beschmieren sie den Leib mit Speichel. Mehre umringen den Kranken, und spucken ihn an. Dampfbäder sind ihnen auch bekannt, und sie setzen dadurch den Kranken in Schweiß. Sie erhitzen einen großen Stein, haltzen den Kranken darüber, und schütten nun so lange Wasser auf den heißen Stein, bis ihm keine Dämpfe mehr entsteigen. Sie kennen die heilenden Kräfte mehrer Waldpflanzen, wenden aber diese Gewächse nicht innerlich an. Äußere Verletzungen und Wunden können sie sehr gut heilen. Wenn sie verwundet oder krank sind, zeigen sie eine bewundernswerthe Standhaftigkeit. Sie klagen und seufzen nicht, und eben so ruhig sehen sie den Tod kommen, oder jemand aus ihrer Mitte sterben.
Nicht bei allen Stämmen sind die Begräbnisse gleich. Einige begraben die Todten in der Hütte, in welcher sie bisher wohnten, und verlassen dann die Gegend für immer, Andere brechen den Todten Arme und Beine, bringen ihn in ein irdenes Gefäß, und verscharren dasselbe in den Boden. Manche baue» für die Gestorbenen kleine Hütten, schmücken dieselben mit
>34 Bewohner Amerika 6. Die Korvalos- und Ävrvpvo-Zndianer.
werden wenig besser, als Sklavinnen behandelt. Liebe zu den Kinder» zeigen sie nur so lang, als dieselben unbehülflich sind. So bald dieselben so viel Kräfte erhalten haben, daß sie einen kleinen Bogen spannen können, kümmert man sich nicht mehr um sie. Mit der größten Gleichgiltigkeit verhandeln sie ihre Kinder an die brasilischen Kolonisten. Die Kinder haben dagegen nicht die geringste Anhänglichkeit an ihre Ältern, und mißhandeln dieselben oft, wenn sie erwachsen sind, oder trennen sich von denselben mit

