322 Bewohner Europa'6. Die Montenegriner.
schal«na heißt, in manchen Gegenden gefährlich; im Sommer gibt es in den Ufergegenden des Sees von Skutari und in Zeta Wechselfieber. Gegen diese Krankheiten, so wie überhaupt gegen alle innerlichen Krankheiten, wendet man entweder nur Hausmittel an, oder überläßt dieselben ganz der Natur. Öfters läßt man auch Geistliche rufen, damit dieselben für den Kranken beten, und wenn der Vladika ein Gebet verrichtet, ist man der Meinung, daß dieses noch weit mehr wirken werde. Da der Vladika natürlich nicht zu allen Kranken kommen kann, zum Theil schon wegen der Entfernung nicht, so pflegt man gewöhnlich nur die Mütze des Kranken zu ihm zu tragen, und ihn zu ersuchen, ein Gebet darüber zu sprechen, was er niemanden verweigert. Menschen, welche mit langwierigen Krankheiten behaftet sind, trägt man in die Klöster. Dieß thut man besonders, wenn jemand rasend oder wahnsinnig, oder, wie man es nennt, besessen geworden ist. Um solche Leute zu heilen, legen die Mönche dieselben zuweilen in Eisen, prügeln sie unbarmherzig durch, damit sie die Namen der Teufel, welche in ihnen seien, angeben, schreiben dann diese Namen auf einen Zettel, und werfen denselben in's Feuer. Diese schlagende Heilweise hat schon mancheu zur Genesung gebracht, und es haben einzelne Klöster dadurch einen solchen Ruf erlangt, daß sogar Türken Kranke dahin bringen, und daselbst eine Arzenei aufgeben lassen, die sie zu Hause selber ohne Apotheker verfertigen könnten. Pflaster für Wunden wissen sie sehr gut zu bereiten, und nehmen dazu Baumöl, Jiegentalg, Wachs und heilende Kräuter. Als wirklichen Erwerbszweig treibt jedoch kein Montenegriner die äußere Heil- kunst. Doch ist es nicht selten, daß diese Naturärzte ihre Kenntnisse auf ihre Kinder vererben. Höchst merkwürdig ist es, daß die hiesigen Ärzte ihren Verwundeten nie gestatten, Wasser, dagegen aber so viel Branntwein zu trinken, als sie mögen. Der letzte Vladika hat die Montenegriner mit der Kuhpockenimpfung bekannt gemacht-
Begräbnisse.
Ist jemand gestorben, so wäscht man ihn, oder badet ihn ganz, und es verrichten bei Männern Männer, und bei Weibern Weiber dieses Geschäft. Nach dem Waschen oder Baden zieht man dem Todten ein frisches Hemd an, schmückt ihn mit Blumen, und stellt ihn zur Schau aus. Um die Männer legt man die schönsten Kleider und Waffen. Im Grabe bedeckt man die Todten mit einem Stücke Leinewand; wenn aber die Gestorbenen so arm waren, daß sie kein frisches Hemde und Leinlaken besaßen, so geben die Wohlhabenderen dieses freiwillig her, weil sie dadurch ein gutes Werk

