334 Bewohner Europa's. Die Morlacken.

gebildeten Europa's beträchtlich verschieden. Sie sind sehr gutmüthig und einfältig, voll Zutrauen, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, so daß sie von den schlauen Jtaliänern, welche an Dalmatiens Küste Handel treiben, häufig hintergangen, und dadurch gegen die Betrüger, und vielleicht auch wohl mit gegen ordentliche Leute, argwöhnisch und mißtrauisch werden. Der Jtalier Untreue ist bei ihnen sprüchwörtlich geworden. Sie schimpfen sich gegenseitig Uassia-viro! und Lanzmanz-vaviro (Hundetreue und Jtaliäner- treue)! Großmüthig, gastfrei von Natur, öffnet der Morlacke jedem Rei­senden seine armselige Hütte, und bemüht sich, den Gast nach Kräften zu bedienen, theilt mit ihm, was er hat, begehrt niemals etwas für das Dar­gereichte, ja verweigert oft hartnäckig die geringste dargebotene Erkennt­lichkeit.

Behandelt man die Morlacken mit einiger Freundlichkeit, so erwidern sie dieselbe auf die herzlichste Weise, und man hat sie bald zu Freunden gewonnen. Diese Gastfreiheit erstreckt sich durch alle Stände, und man findet sie sowohl bei Armen, als bei Reichen. Setzt der Reiche einen Ham­melbraten oder ein Lamm vor, so bringt der Arme ein wälsches Huhn, Milch und frischen Honig. Nicht nur auf den Fremden, sondern auf alle erstreckt sich diese Gastlichkeit, welche derselben bedürfen.

Kömmt ein reisender Morlacke in die Wohnung seines Wirthes oder Verwandten, um Herberge daselbst zu suchen, so empfängt ihn beim Ab­steigen vom Pferde, oder beim Eintritt in die Wohnung, die älteste Toch­ter des Hauses, und falls eine junge Braut in demselben sein sollte, diese mit einem Kusse. Auswärtige Reisende bekommen diesen weiblichen Will­komm in der Regel nicht, weil die Mägdchen sich dann wenigstens fern halten, wenn nicht gar verbergen. Besitzen die Wohlhabenderen des Dorfes etwas, so dürfen die armen Nachbarn darauf rechnen, daß es ihnen an Unterstützung nicht fehlen werde. Hieraus ist es erklärlich, daß ein Rei­sender nie von den Morlacken angebettelt wird; im Gegentheile kommt es vor, daß arme Hirten und arme Feldarbeiter den Reisenden von dem We­nigen, was sie zu essen und zu trinken haben, anbieten, ohne etwas dafür anzunehmen.

Ihr Hauswesen vernachläßigen die Morlacken, und wenn sie etwas haben, so lassen sie sich's wohl sein. Bei einer lustigen Gelegenheit, und in einer Woche lassen sie oft so viel aufgehen, daß sie hätten Monate da­mit fröhlich leben können. Eine Hochzeit, der Festtag eines Familien- patrvns, die Ankunft eines Verwandten oder Freundes, oder irgend ein anderer unbedeutender Anlaß, bewirken, daß alle Einwohner des Hauses