Konrad drückte ihr die Hand und fragte dann entrüstet:Wird der arme Junge denn in seiner Pflege vernachlässigt?"

Damit ift'8 noch erträglich," erwiederte Käthchen,die Schwester besorgt ihin das Nöthigste, ehe sie ausgeht! aber er ist soviel allein, hat bittere Schmerzen und die größte Sehnsucht nach der Schule. Er ist kaum elf Jahre alt, der arme Johannes; aber sehr verständig und nach denklich. Eben sprach er davon, wie lieb ihm die biblische und Reli gionSstunde immer gewesen sei, und wie ihm jetzt Niemand etwas von Jesu erzähle. Sieh, Konrad, in einem Christenlande so etwas von einem Christenkinde zu hören da muß man weinen!"

Nein, nein." rief Konrad, und wischte sich eine heiße Thräne von der Wange,man muß helfen! Führe mich zu ihm, Käthchen, ich will ihm von Jes» erzählen!"

Der kleine, sehnsuchtsvolle Johannes vergaß alle seine Schmerzen, als Konrad sich an sein Lager setzte, ihm freundlich zuredete, sein Ver­langen erfüllte und ihm versprach, so oft er könne ihn zu besuchen, und ihm Schule zu halten. Die lange Einsamkeit und das Ertrage» bitterer Schmerzen hatten die gemüthlichen und religiösen Fähigkeiten dieses Kna­ben ungewöhnlich stark und früh ausgebildet, sein Verlangen nach geisti­ger und geistlicher Nahrung, sei» hoher Genuß darin nahmen zu, so wie seine äußere Hülle sich immer mehr ihrem Zerfallen näherte, lind Kon rad hatte so viel, so lange Verarbeitetes und Aufgespartes zu geben! Er besuchte seinen kleinen, heißhungrigen Schüler ost, und Käthe mußte sehr unter dieser neuen Schule leiden.

Der Seminarinspektor war einige Zeit verreist gewesen; am Tage nach seiner Rückkunft wurde Konrad nebst drei andern Seminaristen zu ihm citirt. Einige Gefährten, die bei dem Aufrufe gegenwärtig waren, zuckten spöttisch die Achseln, die Aufgerufenen erbleichten, doch Konrad, der sich bewußt war, nichts Böses gethan zuhaben, erstaunte nur. Alle

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