ein so großes Werk unternehmen mit ruhigem Auge, mit krustiger, unerschütterlich fester Hand, wen» seine Seele in solchen Kämpfe» zittert, wenn seine Augen voll Thränen sind?"
Der hohe Mann faßte sich mit einer plötzlichen, gewaltigen Anstrengung, er wandle sich zur Seite, drückte seine Hände in einander, und näherte sich dann dem Harrenden. Sein Aussehen ivar vollkommen ruhig, ja freudig, man sah, er war im völligen Gleichgewicht, Herr aller seiner Kräfte. Er nahm das Instrument aus seiner Tochter Hand, mit festem, gewandtem Druck behandelte er das eine Auge, verhüllte eS, wandte sich zu dem andern, operirte es auch schnell und leicht, dann ward Alles verdunkelt.
„Ich habe gesehen," rief der Greis fröhlich, „Dich, meine Marie, eine liebe Eugelsgestalt, einen rettenden Arm!"
„Gott sei gelobt! Aber jetzt Ruhe, liebster Vater, Dunkelheit und Entbehrung!"
Marie geleitete den Vater in sein Schlafzimmer, Gabriele stürzte in des Arztes Arme.
Bald war die Zeit der strengen Schonung vorüber, der Greis wurde in ein matt erhelltes Zimmer geführt, er ließ sich in einen Lehn- stuhl nieder, schaute mit innigem Entzücken aufwärts, niit kindlicher Freude auf seine Umgebung, betrachtete die geliebten Züge seiner treuen Pflegerin, rief Gabriele aus der Ferne herbei, sah sie mit herzlichem Wohlgefallen an, und sagte: „So, dachte ich mir, mußtest Du aussehen, Ver- kündigeri»! Wo bleibt Dein Vater?"
„Hier ist der Glückliche, sagte dieser, auö dem Schatten hervortretend, „der Ihnen so viel verdankt, Hochwürdig<-der..."
„Der liebe Konrad Weise, Gehülfe des Schulmeisters in Holzen- dors!" vollendete der Greis. „Ist es möglich, mein junger Freund von damals ist jetzt mein Retter?"
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