noch lange im Sopha liegen, doch auch als sie sich zu Bett gelegt, sioh der Schlaf ihr Auge. „Wohl habe ich einen wackern Blaun," dachte sie, „und liebe Kinder, dennoch bin ich so namenlos unglücklich!"
Einige Wochen später saßen Blalwina und Therese zusannnen in der Mutter Vorstube und arbeiteten. Malwina lernte einige Seiten in einem Leitfaden der Geographie auswendig, Therese dagegen ließ ihren Gedanken freien Spielraum, trieb aber mit flinken Fingern eine lange Nadel schnell an einem Strumpfe auf und nieder, den sie ausgespannt über der linken Hand hielt, und dessen Hacken sie unterzog. Jinmer jedoch konnte die kleine muntere Denkerin ihre Gedanken nicht für sich behalten, und es war ja so bequem, sie der nahen Schwester niitzu- theilen.
„Höre, Malvchen," brach sie daher los, „welche von den Beiden, denkst Du, kommt zuerst?"
„Ach, laß mich zufrieden!" rief die Schwester heftig, „ich habe noch ' zwanzig Städte mit ihrer Einwohnerzahl zu lernen! Immer störst Du mich! Anstatt Deine einfältigen Strümpfe zu stopfen, solltest Du lieber Deine Aufgaben auf morgen lernen, damit Du wenigstens mit einem guten Zeugniß aus der Schule entlassen würdest, die Du fast gar keins bekommen hast, so lange Du sie besuchst."
„Das Nöthige habe ich gelernt; aber daS wird mir wenig helfen," versetzte Therese ruhig, „wenn mein Aufsatz nicht voll schöner Redensarten ist, und meine Antworten nicht so gedrechselt und geschnörkelt, so ist der Lehrer doch nicht mit mir zufrieden — und das kann ich nun einmal nicht. Es ist sehr nett, daß es mit der Schule bald vorbei ist. Nicht?"
„Ach was," rief Malwina ärgerlich. „Nicht, als ob ich nicht auch meine Noth hätte, mehr als Du; aber ich will mit Ehren abgehen, und hören, daß meine Lehrer mit mir zufrieden sind. Nun störe mich nicht weiter!"
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