Denke ich," fuhr Marianne fort,daß sie den Kindern und dem Gesinde gegenüber sich ein Ansehen geben muß, so weiß ich nicht, wo sie den Stoff dazu hernehmen will?"

kNun," meinte er,man muß etwas auf die Neuheit der Lage,

auf Fräulein Mellows beschränkte Verhältnisse, ja auf die Trauer ihres Herzens rechnen; jedenfalls wird es gut sein, sie zu ermuthigen."

Versuch eS immer," warf sie hin,ich schien nur wenig Glück darin zu machen."

Conring eilte hinüber und fand die neue Bekanntschaft schon munter angebahnt und die Unterredung in vollem Gange. Zudem trat ihm Jdas Persönlichkeit alS eine sehr angenehme entgegen. Sie hatte Mantel und Hut abgelegt, und zeigte eine zarte Gestalt, etwas unter Mittel- , große, in reizender Fülle und sanfter Haltung. Ihr jugendliches Antlitz,

von frischen Farben belebt, von glänzendem, hellblondem Haar einge­rahmt, hatte einen kindlich sanften und doch verständigen Ausdruck, und ein Paar rührende, blaue Augen, die daraus hervorleuchteten, schienen um Schutz und Hülfe zu bitten. Conring fühlte sich der Fremden augen­blicklich geneigt, hieß sie mit väterlicher Güte willkommen, befragte sie nach ihrer Reise, nach den Verwandte», die sie verlassen, sprach theil- nehmend von ihren Verlusten, und hoffte, daß sie hier, unter mitfühlenden Menschen, eine neue Heimath finden werde. Jda sah ihn dankbar unter Thränen an, er wandte sich zu den Kindern, und hieß sie nachsehen, ob der Thee fertig sei. Alle eilten davon, doch der kleine Paul hing sich an Jdas Rock und rief:Mellow, ich will bei Dir bleiben; aber Du mußt mich auch noch einmal von Deinem Koffer springen lassen! Willst Du?"

Hernach," sagte Conring,warte ein wenig!"

Geduldig setzte sich der Kleine auf die Erde und nestelte an dem Hangschlosse des Koffers, indeß entwarf Conring seiner jungen Zuhörerin

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