„O ich will Alles, was Sie wollen, meine Wohlthäterin, nieine Mutter," flüsterte Antonie.
„Nein, nein, so war's nicht gemeint," versicherte Jene, „Dein Inneres, daS Beivußtsein Deiner Kräfte, Dein Geschmack muß einstimmen in meinen Vorschlag. Doch davon später. Wir haben für Deine jungen Kräfte schon fast zuviel Tief-ErregcndeS verhandelt, jetzt ruhe ein wenig. Nach einem halben Stündchen schicke ich Dir Anna, Dir Haar und Anzug zu ordnen, und hole Dich dann ab, um Dich in meinen Theezirkel einzuführen; denn der Arzt hat Dich heute für salonfähig erklärt." Damit küßte sie das Mädchen leise auf die Stirn und trippelte fort.
Zur bestimmten Stunde erschien die Hausmutter wieder, faßte mit behaglichem Lächeln Antoniens Arm, und führte diese, welche mit gespannter Neugier der Enthüllung aller Räthsel entgegen sah, durch einen Lorsaal und eine hübsche, kleine Vorstube in ein größeres, zierlich und einfach möblirtes Zimmer. Anna folgte ihnen mit der dampfenden Theeurne. Ein schlankes Mädchen von vierzehn Jahren etwa, mit dunkeln, träumerischen Augen und reichem, dunkeln Haar, sprang vom Piano auf, hing sich liebkosend an den Arm der Führerin und küßte begeistert ihre Hand Diese gab ihr schelmisch eine» kleinen Liebesschlag und sagte: „Sieh, Angelika, endlich wird Dein Wunsch erfüllt; hier bringe ich Euch »leinen Pflegling, meine nicht mehr kranke Antonie!"
Angelika streckte dieser erröthend die Hand entgegen, und hieß sie herzlich Willkommen, Noch zwei andre Frauen eilten herbei und bezeugten ihre theilnehniende Freude, die Eine »och jung, heiter, mit blühendem Gesichte, die Andere älter, mit ernstfreudige» Zügen, im tiefen Trauerkleide. Antonie war gerührt, fast übernommen von dem herzlichen Mitgefühl, sie fühlte sich als festes Glied eines Ganzen, dessen Harmonie sich ihr in Ahnung kundthat.
„Schnell, Antonie," rief die Hausmutter, indem sie den Schatten
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