gewesen. Alles ward darnach durchsucht und durchwühlt und nichts gefunden. Aber die Nachbarn sagten aus, es sei eine Bande reisender Musikanten, auch Leute mit Assen, Kameelen und dergleichen um die Zeit durch die Straße gezogen, die müßten das schöne Kind angelockt und mitgenommen haben. Herr Goedinaker hat Alles aufgeboten, überall nachgefragt; aber es ist nichts herausgekommen, unser Fränzchen war und blieb weg. Ach, ich dachte den Verstand zu verlieren, und war lange krank, bin auch nie wieder vergnügt geworden, obwohl ich sonst wohl Ursache dazu gehabt; denn Goedmakers waren die treusten Freunde gegen mich; sie bekamen auch noch zwei Kinder, die ich Pflegen konnte; aber ich weinte immer um Fränzchen. Die Zeit ist indeß so hingegangen, da horte ich gestern, als ich mit meiner Freundin die alte, traurige Geschichte mit vielen Thränen wieder besprach, daß der Herr Major, Fränz- chenS Vater, von Indien wiedergekommen und in unser Vaterland zurückgekehrt sei. Die gute Seele hatte eS mir verborgen, um mich nicht zu quälen; jetzt aber, da eS so bedenklich mit mir steht, drängte sie ihr Gewissen, eS mir zu sagen, daß ich die Geschichte niederschreiben, und sie den Herrn Vater wissen ließe; denn solch ein Herr könne doch anders nachforschen als unser Einer, er fände daS Fräulein vielleicht wieder."
Der Domine schloß nun mit der Ermahnung an den Vater der Verlornen, der armen, zerknirschten Wärterin nicht zu zürnen, und solle sie von ihrem Krankenlager wieder aufstehen, was freilich nicht wahrscheinlich, — sie nicht zur Strafe zu ziehen. Beigelegt war der Taufschein der JranziSka Louise von Wingold, und die Beschreibung des An- zugS, den das Kind, an dem Tage, da es abhanden gekommen, getragen. Ein Hcmdchen von holländischer Leinwand, unten am Saume mit F. v. W. in Weiß gezeichnet, ein Flanellröckchen, ein Kleidchen von Millefieurzitz, weiße baumwollene Strümpfchen und rothe Corduanschuh, darin das Zeichen des Schusters: .Tau Goedmaker, Kotterdam, Willems-
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