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sollten nämlich dort zwei jüdische Männer aus Berlin verhaftet worden sein, weil man bei ihnen eine Kiste fand, in der ein an Händen und Füßen gebundenes Mädchen, welchem man einen Schwamm in den Mund gesteckt hatte, gefunden wurde. Diese Mordsgeschichte entpuppt sich jetzt als ein plumper Schwindel. Auf eine Anfrage an das Polizeipräsidium in Bromberg über diese Angelegenheit wurde nämlich folgende Antwort ertheilt:

Urschriftlich mit dem Bemerken ergebenst zurückgesandt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Daß cs ein schlechter antisemitischer Scherz gewesen ist, ist wohl nicht anzunehmen, da an dem Tage, wo hier die Sache bekannt wurde, Liebermann v. S. (Sonnenberg. D.Red.) sprach, die Sache aber gar nicht erwähnt wurde. Die Bermuthung hätte nahe gelegen, daß die Geschichte in die Welt gesetzt worden, um in dieser Ver­sammlung daraus Kapital zu schlagen. Eher liegt der Verdacht nahe, daß es ein Wahlpolitikmanöver gewesen ist, wenn nicht überhaupt ein schlechter Scherz.

Bromberg, 21. II. 98.

Städtische Polizei-Verwaltung.

Wolfs.

Wann werden die Antisemiten wohl endlich einsehen, daß man ihnen solchen Blödsinn nicht mehr glaubt?

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Wenn wir jemals ein Gefühl des Neides empfunden haben, so war es bei der Lektüre der folgenden Nachricht:

Die im Herbst v. I. gewählten liberalen Gemeindekörperschaften der Zwölf Apostelkirche haben beschlossen, die Kirchstuhlmiethe ab- zufchaffen."

Wenn wir es doch endlich auch einmal so weit brächten! Es ist gar kein Zweifel, daß die Bermiethung der Plätze in den Synagogen mit der Hauptgrund der Agitation und der Erbitterung gegen die Gemeindebehörden in den großen Städten ist und bleiben wird, so lange nicht Remedur geschaffen wird. Wer seine Gemeindesteuern bezahlt, müßte damit das Recht auf einen Platz in der Synagoge haben. Indes ist das freilich ein ideales Ziel, so lange die Gemeinden auf den Ertrag der Mietbe für Synagogenplätze angewiesen sind. Gleichwohl sollte der Versuch gemacht werden, hier eine Remedur zu schaffen.

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Die Petitionskomniission des Reichstags hatte sich am Mittwoch wiederum mit dem Anträge auf eine staatlich autorisierte Ueber- setzung des Schulchan Aruch zu beschäftigen. Der Referent. Abg. Müller (Waldeck), ein Antisemit, beantragte Ueberweisung der Petition an den Reichskanzler zur Berücksichtigung. Er führte aus, daß ein großer Theil der Bevölkerung durch den Umstand, daß noch immer keine authentische Uebersetzung der jüdischen Geheimbücher vor­liegt, beunruhigt werde. Diese Beunruhigung sei um so größer, als das Judenthum durch die Fähigkeit, die nationale Produktion ge­schäftlich auszubeuten, uns überlegen sei und man annehmen müffe, daß diese Fähigkeit durch die jüdische Erziehung und seine Geheim­lehre befördert werde. Das Verlangen nach einer amtlichen Ueber­setzung des Schulchan Aruch sei demnach durchaus berechtigt. Aller­dings gebe es bereits mehrfache Privatübersetzungen, (so!) Wenn man aber gelegentlich mal auf diese fuße, dann würde die Richtigkeit der Uebersetzung stets in Zweifel gezogen. Daß auch ein Staats- intereffe für die geforderte staatliche Uebersetzung vorliege, beweise der Wortlaut des Kolnidre-Gebets. Der Korreferent und andere Mit­glieder traten diesen Ausführungen entgegen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Referenten Müller gegen seine eigene Stimnie und die des Abg. Sachße (gleichfalls Antisemit) abgelehnt und Ueber- gang zur Tagesordnung beschlossen. Bemerkt sei, daß die gleichfalls

anwesenden konservativen Abgeordneten Schall und Jacobskötter gegen den Antrag des Referenten, also in judenfreundlichem Sinne stimmten.

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Ob es sich bei der folgenden Nachricht blos um einen übel an­gebrachten Purimscherz handelt, oder ob dieselbe auf Wahrheit beruht gleichviel, sie verdient registrirt und aufbewahrt zu werden:

Die Antisemiten Deutschlands planen, wie eine Mittheilung aus Breslau besagt, eine Kundgebung gegen die Juden gelegentlich des diesjährigen Purimfestes; in allen größeren Städten sollen öffentliche Borträge über die Bedeutung des Purimfestes gehalten sowie Flugschriften vertheilt werden."

So weit die Notiz. Als Vorläufer ist bereits hier ein Artikel überjüdische Kultur" erschienen, der in dem grotesken Satze gipfelt: Das Judenthum feiert im Purimfeste seine Bartholomäusnacht." Der gute Mann, der diesen Satz geleistet, hatte völlig vergeffen, daß er in der Einleitung zu jenem Purim-Artikel gesagt:Sie feiern es, wie die Deutschen zum Beispiel ihr Sedan." Sapienti sat.

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In der badischen zweiten Kammer haben die dortigen Antisemiten bei der Berathung des Justizetats einen ordentlichen Mißerfolg gehabt, wie schon aus dem folgenden kurzen Referat, das wohl keiner Erläuterung bedarf, mit Sicherheit hervorgeht:

Abg. Pfisterer (Antis.) glaubt das Wort, daß nur ein guter Christ ein guter Soldat sein könne, auch auf den Richterstand ausdehnen zu sollen und wünscht keine jüdischen Richter. Präsident Gönner weist diese Ausführungen als durchaus ungehörig zurück, und als Pfisterer in geradezu ordinärer Weise mit einem die Israeliten beleidigenden Zitate schließt, wird er zur Ordnung gerufen. Abg. Fieser (natl.) möchte laut Protest erheben gegen die schmachvolle Judenhetze des Abg. Pfisterer, wenn man diesen auch sonst in seinen Redeübungen nicht ernst nehme. Besonders müsse er Verwahrung einlegen gegen die Unterstellung, als ob die jüdischen Richter ihre Glaubensgenossen bei Vergehen gegen die Gesetze besonders berücksichtigen. Das sei eine große Unwahrheit, da sich die jüdischen Richter voll und ganz bewährt haben. Staatsminister Nokk führt aus, daß er in Bezug auf die Aeußerung Pfisterers sich den Ausführungen aus dem Hause durchaus anschließe. Abg. Mandel (Antis.) erklärt, daß seine Partei die Juden nicht vertreiben, sondern nur zur Ordnung und zur täglichen Arbeit bringen wolle. Wenn es nach den Juden ginge, müßten die Christen ihren Sonntag auf den Samstag ver­legen. Abg. Pfisterer (Antis.) wendet sich gegen Fieser, der mit seiner Partei zwar sich rühme, 25 Jahre in diesem Hause zu sitzen, für den Mittelstand aber nichts gethan habe. Wenn er sich gegen die jüdischen Richter wende, so vertrete er nur die Wünsche seiner Wähler. Abg. Geck (Sozd.) bedauert, daß heute nach 50 Jahren, als der Kampf um bürgerliche Freiheit und die Gleichheit der Bürger ausgetragen wurde, Reden möglich seien, wie sie der Abg. Pfisterer gehalten habe und wie sie neuerdings auch in Oesterreich und Frankreich leider üblich geworden seien. Wenn man Fürstenworte zitiren wolle, so erinnere er an das des Kaisers Friedrich.

Nein, die Welt steht auf keinen Fall mehr lang! An der Preßburger Jeschibah wird jetzt ungarische Geschichte und Litteratur gelehrt! Nur wer die Geschichte der Kämpfe, welche die ungarische Orthodoxie gegen jeden Fortschritt seit einem halben Jahr­hundert führt, genau kennt, wird die Bedeutung dieser Thatsache vollauf zu würdigen wissen. Die Rabbinerschule zu Preßburg war die letzte Zufluchtsstätte der krassesten Orthodoxie und des ärgsten Fanatismus. Dort wurde die Lektüre von Moses Mendelssohn's Schriften verboten, und bis in unsere Tage hinein hat man es dort verstanden, sich gegen jeden Lnfthauch der neuen Zeit hermetisch ab- zuschließen. Vergeblich! Jetzt halten dieprofanen" Wissenschaften

allerdings auf Befehl der ungarischen Regierung ihren Einzug in die Preßburger Jeschibah. Das Rad der Zeit geht eben erbarmungs-