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Weltkinder unter ihre schützenden mütterlichen Flügel zu nehmen und dafür zu sorgen hatte, daß dieselben möglichst viel Lust zur Ablegung des Gelübdes bekamen, welches sie dann unwiderruflich an das Kloster fesselte und von der übrigen Welt für immer abschloß.
Die zweite Eintretende trug auch die Tracht der Karmeliterinnen, aber dabei noch den weißen Novizenschleier.
Trotz der verhüllenden Kutte, die auf nichts weniger berechnet war, als die Formen hervortreten zu lassen, erkannte man doch, daß es eine überaus reizende, schlanke Gestalt war. Sie hatte den Schleier zurückgeschlagen, da sie nur vor den Augen ihrer Oberin zu erscheinen hatte, und so zeigte sich denn ein jugendliches, reizendes und edelgeformtes Gesicht mit sanften, klaren Augen; aber dieses Gesicht war von Blässe überzogen und eine tiefe Schwermutb lagerte auf demselben. Die röthlichen Ränder um die Augen schienen verrathen zu wollen, daß sie die letzte Zeit wohl viel, sehr viel geweint haben mochte.
Es war dieses Barbara Ubryk aus Polnisch-Wangrow, die Novize des Klosters zu „Unserer lieben Frau vom Berge Karmel" zu Krakau.
Pater Ignatius richtete seine Augen mit lebhaftem Interesse aus diese Gestalt und auf das Gesicht, welches er zum ersten Male un- verschleiert sah. Die Erscheinung der reizenden Novize schien großen Eindruck auf den Mann zu machen und er gab sich wenig Mühe, diesen Eindruck zu verbergen.
„Ave Maria!“ grüßte die Priorin.
„Gratia pleno!“ antworteten die Eintretenden.
Es war dieser gewöhnliche Klostergruß trotz der lateinischen Bücher auf dem Schreibtischchen der Vorsteherin wohl der ganze Vorrath von lateinischen Wörtern, welche die gesammte Nonncnschaft des Klosters kannte.
Die Priorin schaute mit strengem und finsterem Blicke auf die Novize und sagte dann:
„Barbara, mit Erstaunnen und Betrübnis erfahre ich in der letzten Stunde noch, daß Dein unsinniger Widerstand noch fortdauert, daß der böse Geist noch mächtig genug in Deinem Innern ist, um Dich zur Widersetzlichkeit gegen Deine Oberen zu verleiten, gegen die, die es doch nrütterlich gut mit Dir meinen und Dich mit Freuden

