Zweites Kapitel.
In der Schänke.
Während dort in dem Kloster ein armes Herz mit dem Leide rang und mit geheimem Grauen an die morgende Stunde dachte, wo der Nonnenschleier das Haupt decken sollte, welches sich jetzt lieber mit Blumenkränzen geschmückt hätte, herrschte in einer, etwa eine Stunde von Krakau an der Straße nach Russisch-Polen gelegenen Schänke ein lustiges Leben.
Hier batten sich einige Bauern, Alt und Jung versammelt, um bei dem geliebten Branntwein ein Paar Stunden sprechend und streitend zu verbringen; dann befanden sich einige Studenten aus Krakau hier, lustige, flotte Burschen, heiter in das Leben schauend und dem Spruche huldigend, man müsse den fröhlichen Augenblick genießen und so lange als möglich festzuhalten suchen, denn man wisse nicht, ob die nächste Stunde auch Rosen oder nur Dornen bringe. Für diese bei ihm häufig einsprechenden Gäste hatte der Wirth rücksichtsvoll schäumendes Bier und feurigen Ungarwein angeschafft, welche den Musensöhnen sehr wohl mundeten.
Auch ein Geiger hatte sich herzugefunden, der auf seinem etwas verstimmten Instrumente lustige Weisen abkratzte, welche den Ohren der Bauern weit wohler thaten, als den verwöhnteren der Musenjünger.
Der lustige Geigenton hatte aber auch einige junge Burschen und Mädchen herangelockt, welche sich sehr tanzlustig zeigten und auf einem ländlich freien Platze auch wirklich ihre Tanzkünste versuchten.
Endlich hatte sich ein terminirender Mönch eingestellt, der seinen gefüllten Quersack seinem Kloster zuschleppte und hier von dieser säuern Arbeit noch ausruhen wollte. Er erfreute sich einer sehr behäbigen Gestalt, welche zeigte, daß es sich von den milden Gaben der Gläubigen sehr gut leben lasse.

