Drittes Kapitel.

Das Gelübde.

Der Morgen war schwül angebrochen, dichte Wolken ballten sich an dem Horizonte und stiegen langsam in die Hohe, sie verkündeten Regen und wohl auch Gewitter für den Tag, welcher demnach wenig freundlich zu werden drohte.

Das erste Geläute war vorüber, die beiden Novizinnen, welche heute den Schleier erhalten sollten, hatten gebeichtet und waren dann in einer Kapelle geblieben, um im Gebete die feierliche Stunde zu erwarten; die behäbige Novizenmeisterin befand sich bei ihnen, um bis zum letzten Augenblicke die Aufsicht über die Untergebenen zu führen, die in nächster Stunde dieser Aufsicht für immer entrückt und ihr gleichgestellt werden sollten.

Ganz besondere Aufmerksamkeit verwandte die Novizenmeisterin auf Barbara Ubryk, die ihr durch ihren vorhergehenden Widerstand Vesorgniß eingeflößt hatte; sie war nicht ohne Bedenken, daß dieselbe noch einen Auftritt in der Kirche selbst herbeiführen könne, und ließ es deshalb auch nicht an mütterlichen Ermahnungen fehlen, worin sie von der Priorin, die auf einige Minuten in der Kapelle erschienen war, unterstützt worden. Der Letzteren Worte waren theils freund­lich, theils drohend gewesen; während sie auf der einen Seite schmei­chelnde Worte und Versprechen gebraucht, hatte sie auch auf anderer Seite es nicht an Hindeutungen auf mögliche Folgen ungehörigen Betragens fehlen lassen.

Barbara hatte die Nacht durch mit sich selbst gekämpft, sie hatte den ersten Schritt gethan und erkannte, daß sie sich dadurch zum Opfer geweiht und ihr nun nichts übrig bleibe, als auch das Weitere über sich ergehen zu lassen.