l&hxte* Kapitel.
Der Nonne Rückschau.
Vorüber war die Feier, der Bischof hatte das Kloster verlassen und daselbst ging Alles in seinem gewöhnlichen Gange wieder fort. Zu Mittag sammelten sich die Nonnen wieder in dem düsteren Refektorium, unter ihnen die beiden neuen Schwestern, zu deren Ehre die Tafel etwas besser beseht war als gewöhnlich, wenn auch immer noch frugal genug, denn die strenge Ordensregel schreibt die Entziehung der weltlichen Genüsse auch in dieser Hinsicht vor, wobei aber gar nicht ausgeschlossen ist, daß diese oder jene Nonne sich bessere derartige Genüsse verschafft und in einsamer Zelle oder mit einer Freundin dann in denselben schwelgt. Wo ist eine auch noch so strenge Regel, die nicht umgangen werden kann und umgangen wird?
Ob der kahle Todtenschädel, welcher auf der Tafel zwischen den Gedecken der Priorin und deren Stellvertreterin placirt war und die Speisenden mit seinen leeren Augenhöhlen angrinste, zur Vermehrung des Appetits beitrug, mag dahingestellt bleiben. Es war ein sehr sonderbarer Schmuck für die Tafel, allein die Gewohnheit stumpft auch für solche Eindrücke bald ab, und höchst wahrscheinlich dachte sich von allen den hier versammelten Nonnen keine etwas bei diesem Anblicke.
Standen doch in dem Kloster überall Särge, Schädel und Todtengebeine, so in der Kirche auf den beiden Chören der Nonnen, in der Schatzkammer, in anderen Zimmern, so daß der beständige Anblick aller dieser schauerlichen Bilder denselben ihre Schrecken genommen hatte.
Auch der Nachmittag verging, der Abend kam und als die letzte Hora in der düsteren Kirche verklungen und der Glockcnton verstummt war, begab sich Barbara in die ihr zur Wohnung angewiesene Zelle.

