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Klein, eng und düster war diese Zelle mit ihrem einzigen, vergitterten Fensterchen. Die Wände waren einst weiß gewesen, jetzt aber wohl eine lange Reihe von Jahren nicht mehr abgeputzt. Ein hartes Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein kleines Betpult bildeten die ganze Möbelirung, und den Schmuck der Wände einige vergilbte Heiligenbildchen, die wohl das Auge schon mancher Vorgängerin erfreut haben mochten.
Durch das Fenster schaute der Mond mit blassem Lichte wie schwermüthig in die Zelle; bisweilen verschwand dieses Licht, wenn der Wind die dunklen Wolken über die Mondscheibe jagte.
Barbara stand am Fenster und schaute träumend hinaus zu dem Monde und auf das Spiel der Wolken. Wohl hatte sie sonst auch so oft zu dem Monde geschaut, hatte selige Mondnächte im Freien durchlebt, aber das waren vergangene glückliche Zeiten, die weit hinter ihr zurück lagen. Sie fühlte es, jene Zeiten waren unwiederbringlich verloren, keine Macht der Erde brachte sie zurück. Und ihre Zukunft? — wie war die freudenarm, aber reich an Leiden. Sie wußte dieses und sang leise vor sich hin:
„Ueber meinen Freuden allen Läuteten die Todtenglocken,
Seit am Altar sind gefallen Von der Scheere meine Locken.
„Seit ich zu unsel'ger Stunde Bei der furchtbar ernsten Feier Sprach den Schwur mit bleichem Munde,
Hüllt' mich ein der Nonnenschleier.
„In den kalten, düst'ren Räumen Soll mein Leben ich vertrauern;
Bangend hier in wirren Träumen Frag' ich: soll das ewig dauern?"
„Ja, soll dieses ewig dauern?" fragte sich Barbara mit bitterem Schmerze. Sie sank auf den harten Sessel und die Bilder der Vergangenheit zogen vor ihrem inneren Blicke vorüber.
Welch ein Unterschied zwischen Sonst und Jetzt!
Als fröhliches Kind spielte Barbara Ubryk in dem Garten des Vaterhauses unter Blumen; sie siummelte sich mit munteren Gespielen auf den grünen Wiesen, an den blumigen Bächen.

