40

Barbara war den ganzen Tag zerstreut und Niemand wunderte sich darüber, das war ja nur die Folge der festlichen Nacht, welche den Körper abspannt und den Geist oft noch mehr. Den anderen Theil- nehmern des Festes ging das nicht besser, man scherzte darüber, lachte und gähnte und nahm dieses Gefühl als etwas Unvermeidliches hin.

In den Nachmittagsstunden saß Barbara an dem Fenster und blickte sinnend auf die Straße hinaus. Sie hörte Huffchlag und sah einen Reiter daher kommen.

Barbara bebte leise zusammen bei dem Anblicke des Reiters, wonniger Schauder durchrieselte sie, denn sie hatte ihn auf den ersten Blick erkannt, es war Constantin Soltyk, ihr Tänzer von gestern, an den sie heute ja immer hatte denken müssen.

Constantin hatte wohl das Mädchen am Fenster auch gesehen und erkannt, denn er entblößte sein Haupt, neigte sich tief, ließ dann das feurige Polenroß steigen und sprengte vorüber. Barbara neigte sich aus dem Fenster und schaute dem Reiter nach, da blickte auch Constantin sich um; das Mädchen bemerkend, schwang er nochmals seine Mütze und ritt dann in ruhigem Schritte weiter.

Höher klopfte da des Mädchens Herz, es hatte ihn ja gesehen,, und indem er an diesem Fenster vorüber ritt, hatte er den Beweis geliefert, daß auch er die Tänzerin von vergangener Nacht nicht ver­gessen hatte.

Auch am zweiten Tage wiederholte sich diese Fensterparade des jungen Studenten, wieder grüßte er hinauf, allein Barbara zog sich schüchtern zurück und ließ sich nicht blicken, denn sie wollte nicht, daß Jemand sie am Fenster sah, während Constantin vorüberritt und grüßte, denn dieses hätte ja verrathen können, daß dieser Gruß eben ihr galt, und dann wären Schlußfolgerungen gezogen worden, es wäre den stets geschäftigen Zungen Stoff gegeben worden, ihre Ge­läufigkeit auch in der Unterhaltung über sie und Constantin zu er­proben, und dieses wollte sie nicht.

So ging es noch einige Tage fort, ohne daß sich Gelegenheit gefunden, daß die Liebenden hätten ein Paar Worte mit einander wechseln können. Dann aber fügte es der glückliche Zufall, daß Barbara so eben bei einer alten Freundin sich befand, als Constantin, von einem vertrauten Freunde begleitet, eben auch dort erschien, dem Hausherrn eine Visite abzustatten. Es waren noch ein Paar Per-