Die Verurteilte hatte aber jedenfalls etwas ganz Anderes sagen wollen, doch schwieg sie nun.

Kniee nieder!" befahl die Oberin kurz.

Iosepha gehorchte, sie sank auf die Erde.

Während nun die Nonnen einen Bußgesang anstimmten, traten zwei andere neben die Knicende, verhüllten deren Haupt mit dem Schleier und hatten dann der leise sich Sträubenden rasch die Kleid­ung von dem Oberkörper gestreift, so daß sich der weiße, glänzende Rücken entblößt darbot.

Eine dritte Nonne hatte eine Geißel ergriffen, welche die Oberin ihr bezeichnet; es war dieselbe eine kleinere und mit einem einfach geflochtenen Riemen versehen. Die Nonne trat hinter die Knieende und schwang die Geißel.

Zwölf Schläge!" rief die Oberin.

Da fiel auch die Geißel schon klatschend auf den weißen Rücken der Nonne nieder und ein breiter, rother Streifen zeigte sofort die Stelle, welche von dem Schlage getroffen worden.

Ein leiser Schrei entschlüpfte Iosepha's Munde, ihr Körper zuckte unwillkürlich unter dem Schmerze zusammen.

Barbara aber, die unfern stand, war es, als ob sie den Schlag selbst erhalten hätte, ein jähes Weh durchzitterte sie und im ersten Augenblick war es ihr, als müsse sie zwischen die Züchtigende und die Gezüchtigte treten, die derselben bestimmten Streiche auffangen und um Gnade für sie bitten. Doch ehe sie zu einem solchen Ent­schlüsse kommen konnte, erkannte sie auch, daß eine solche Einmischung der Armen nichts nützen konnte, vielleicht derselben eher schadete, daß sie selbst dadurch einen groben Verstoß gegen die Ordensregel begehen und sich einen Verweis, ja eine Züchtigung zuzichen würde. So schwieg sie, aber zitternd vor innerer schmerzlicher Erregung.

Zum zweiten Male sank die Geißel nieder; Iosepha verbiß den Schmerz. Ein dritter Hieb! dann Hieb auf Hieb in langsamen Pausen. Iosepha schien unempfindlich gegen den Schmerz ge­worden, obgleich ihr Rücken jetzt mit rothen Striemen bedeckt war; sie ließ Alles über sich ergehen, weil sie es doch nicht ändern konnte, aber ihr Körper zitterte und von Zeit zu Zeit konnte sie ein leises Stöhnen, selbst einen kurzen Aufschrei nicht unterdrücken, aber dieses ward unter dem fortwährenden Gesänge der Nonnen fast unhörbar.